Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

354 Die neuesten Versuche deutscher Civil-Gesetzgebung.
über eine Sache, aber in tatsächlicher und bewußter Ausübung
des entsprechenden Rechts äußert," und dieser soll denn auch ähn-
lich wie der Sachenbesitz geschützt seyn. Im ersten Entw. fehlten
diese §. 529—531; daß aber doch auch er schon einen Besitz von
Rechten in gleichem Umfange anerkenne, ließ sich aus §♦ 845.
entnehmen, wo von einer Klage gesagt wird, daß sie nicht bloß
für Eigenthumsbesitz, sondern auch für anderweitigen rechtmäßigen
Besitz, „als z. B. Pacht-, Faustpfand-, Mieth-, Servituten-
besitz" anwendbar sey. Der §. 490 dagegen findet sich im
wesentlichen auch schon im ersten Entwurf als §. 816.; nur
stehen hier der Pächter und Miether voran und fehlt die Bezug-
nahme aus „ein selbständiges Interesse." Welche Fälle aber hier-
unter zu begreifen, darüber gibt das Recht der Forderungen einigen
Aufschluß: denn hier finden wir nicht nur den Miethe- und Pacht-
besitz wieder (§. 1783. 1805.), sondern auch Leihebesitz beim
Commodat (§. 1424.). Dagegen ist beim Depositar, Sequester,
Mandatar von Besitz keine Rede; es wäre also nach dem Entwürfe
anzunehmen, daß alle diese nur als Stellvertreter im Besitze an-
gesehen werden, wie vom Mandatar auch ausdrücklich gesagt wird
(8. 491.), daß sie also nicht als Besitzer gelten, nicht in eigenem
Namen Besitzklagen anstellen können; wie denn auch bei ihnen der
Wille, in eigenem Interesse Recht über die Sache zu üben, in
der Thal nicht vorhanden ist. Darin macht uns freilich zum
Theil wieder zweifelhaft die Vergleichung mit Bluntschli's deut-
schem Privatrecht I. 8. 56. Denn hier wird auch bezüglich des
Depositars die Frage, ob ihm Besitz an der Sache beizulegen sey,
im Sinne des deutschen Rechts und der modernen Entwickelung
bejaht. Sollte aber dieß die Meinung auch des von demselben
Verfasser herrührenden Entwurfs seyn, so müßte unsres Erachtens
der 8» 490. anders gefaßt oder wenigstens beim Depositar eben-
falls ausdrücklich hervorgehoben werden, daß er (Hinterlegungs-)
Besitz habe. Denn daß er ein selbständiges Interesse an dem Jn-
haben habe, kann man nach der Natur der Sache von ihm nicht
mit befferm Recht behaupten, als von dem Knechte, der Sachen
des Herrn, oder von dem Anwälte, der Acten seiner Partei
in Händen hat; er hat so gut, wie diese, die Sache lediglich im
Interesse eines Andern, und das Interesse am Behalten der Sache,
das man etwa, wie bei der römischen Diebftahlsklage, aus der

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