Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Stellvertretung, insbesondere bei Begründung von Obligationen. ZZZ
nach Dernburgs sehr gutem Ausdruck den Vertrag „äußerlich"
abschließt, anzunehmen.
Wenn, um mich eines von Savigny gebrauchten Beispiels
für meinen Zweck zu bedienen, jemand einem Bekannten, der ein
Sachkenner in Beziehung aus Pferde ist, den Auftrag gibt, bei
einem Pferdehändler von dessen Pferden für ihn dasjenige aus-
zusuchen und zu dem ihm angemessen scheinenden Preise zu kaufen,
welches er als das für ihn passendste ansehe, und zwar in der
Weise, daß er bevollmächtigt seyn solle, dem Pferdehändler gerade-
hin zu erklären: mein Auftraggeber will von dir dieses
Pferd für so viel kaufen, und der Pferdehändler hierauf erklärt:
ich gebe dieses Pferd für diesen Preis deinem Vollmacht-
geber zu kaufen, so wüßte ich keinen römischen Grundsatz über
den zu einem Vertrag nöthigen Consens, wornach man läugnen
könnte, es sey hier wirklich ein Kaufvertrag eigentlich und geradezu
zwischen dem Vollmachtgeber und dem Pferdehändler zu Stande
gekommen.
Endlich bleibt es aber auch von Dernburgs Ansicht aus
unerklärt, wie wir auch Mündel als die eigentlichen Contrahenten
betrachten können, wenn die Vormünder auf ihren Namen Ver-
träge abschließen, ja wie diese überhaupt auf ihren Namen (nicht
bloß in ihrem Namen) Verträge abschließen dürfen; denn hier ist
ja von dem, der den Vertrag schließen soll, sein Consens nicht
etwa nur auf eine dem römischen Recht nicht genügende Weise,
sondern überhaupt gar nicht ertheilt.
VIII.
Meine eigene Ansicht kann ich nun einfach so aussprechen:
ich halte für die wahre Bedeutung des Gegensatzes zwischen dem
heutigen und dem reinen römischen Recht gerade das, was Sa-
vigny als eine im neueren römischen Recht selbst noch vor sich
gegangene Entwicklung ansieht. Das Irrige seiner Lehre
scheint mir nur in einem Anachronismus zu liegen:
die von ihm angenommene innere Umbildung des (alten) römischen
Grundsatzes hat stattgefunden, und hat so stattgefunden, wie er
sie sich denkt, aber nicht schon zur Zeit der neueren römischen Juris-
prudenz, sondern erst in unserm modernen Rechtsleben.
Wir fassen, wie auch Dernburg sagt, heutzutage den Auf-

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