Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

328 Stellvertretung, insbesondere bet Begründung von Obligationen.
unbefangenen und vorsichtigen Auslegung derselben, um ihr den
Schein der Beweiskraft für Savigny's Ansicht vollkommen zu
benehmen.
V.
Es darf aber nicht verschwiegen werden, daß Savigny eine
Bestätigung seiner Ansicht auch in der Art findet, wie das Dar-
lehen im R. R., in dem neueren wenigstens, behandelt werde,
indem hiernach, wenn mein Stellvertreter einem Dritten mein
Geld, ja auch sogar, wenn er sein eignes Geld als Darlehen in
meinem Namen gebe, ich unmittelbar Gläubiger werde, und die
Regel, daß mir eine übers persona keine Forderungen erwerben
könne, nicht im Wege stehe, weil der Dritte durch mich Eigen"
thümer des Geldes werde (Obl. Rt. Bd. 2 S. 66 ff.). V a ri-
ger ow faßt die Stellen, welche Savigny hiebei im Auge hat,
ebenso auf, sieht darin aber nur eine Ausnahme von dem römi-
schen Princip, nicht eine Folge der Umbildung desselben (Pan-
dekten Bd. 3 §. 608 Anm. I. 2. c.).
Nach meiner Ueberzeugung ist in jenen Stellen, welche auch
Buchka a. a. O. §. 9 und Brinz a. a. O. S. 24 ff. aus-
führlich besprechen, gar nicht von einer eigentlichen Stellvertretung
bei Begründung der Darlehensforderung die Rede; mithin darin
auch weder eine Ausnahme von den römischen Grundsätzen in Be-
treff der Stellvertretung, noch der Beweis einer durchgreifenden
Umbildung desselben enthalten.
Die Darlehensforderung und die sie begleitende eondietio ex
mutuo hat zwei wesentliche Voraussetzungen: 1) den wirklichen
Consens zwischen Geber und Empfänger des Geldes über Ein-
gehung eines Darlehensgeschäfts; 2) den Uebergang des Eigen-
thums der Geldstücke von dem Geber auf den Empfänger. Diese
beiden Voraussetzungen müssen Zusammentreffen. Wenn die
zweite allein eintrifft ohne die erste, kann zwar eine eondietio,
aber nur sine causa, nicht ex muluo begründet seyn. Dieß sagt
auf das bestimmteste L. 32. D. de R. C. (12, 1.).
Händige ich nun, indem ich mit jemand ein Darlehensgeschäft
abschließen will, einer Mittelsperson das Geld ein, um es dem
Darlehenssucher in meinem Namen als Darlehen zu den von mir
bezeichneten Bedingungen zu geben, und nimmt dieser es so an,

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