Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

288 Heber die isländischen Gesetze und deren Ausgaben.
unverkennbare Spuren, und zwar macht sich solche nicht etwa bloß
in der Auswahl, Anordnung und erläuternden Glossirung der ein-
zelnen aufgenommenen Stücke geltend, sondern es scheinen auch ein-
zelne dieser letzteren selbst als Erzeugnisse wissenschaftlicher Arbeit
betrachtet werden zu müssen. So läßt sich das Raugatal. d. h.
die im Cod. Reg. dem Strafrechte angehängte Tabelle für Wer-
geldsberechnungen, geradezu einer ähnlichen Arbeit an die Seite
setzen, welche der norwegische Gesetzbeamte Bjarni Mardharson dem
Rechte von Guley um daS Jahr 1200 anhängte; einen ähnlichen
doktrinären Charakter scheint ferner der ausführliche CreurS über
die einem Isländer im Auslande anfallenden Erbschaften, und
deren Ueberführung nach Island zu tragen u. dgl. m. Auch hier
kommen dann allenfalls wieder Spuren fremden Rechts vor, indem
entweder einzelne Materien aus solchem ins Isländische herüber-
gearbeitet worden waren * *), oder auch wohl in einzelnen Punkten
Belehrung über das fremde Recht geradezu des praktischen Nutzens
wegen eingeflochten werden wollte?).
So erscheint uns demnach unsere Graugans lediglich als ein
Sammelwerk, das aus sehr verschiedenartigen Materialien zu prak-
tischen Zwecken compilirt worden ist; Ungleichheiten in der Behand-
lung deS Stoffes wie in der Diction, öftere Wiederholungen oder
umgekehrt wieder Einträgen eines neueren Gesetzes an die Stelle
des älteren an einem Orte, während an einem anderen das ältere
noch stehen geblieben ist u. dgl. m., erklären sich leicht, und ohne
weiterer Besprechung zu bedürfen, aus jener Annahme; mit der
Haflidha skra insbesondere darf die Graugans unseres Erachtens
nicht mehr zusammengeworfen werden 3). Dieß vorausgeschickt,
kann es uns aber auch nicht schwer halten, unsere zweite Frage zu
beantworten, und über das Verhältnis! der beiden uns vorliegenden
Terte der Graugans inS Klare zu kommen. Wir finden aber in

4) So ist Festa Thattr c. 43. der König und Jarl stehen geblie-
ben; wegen des Inhaltes der Stelle und einzelner gebrauchter Aus-
drücke vergl. aber Gulathingslag §. 61. und 63.
2) So namentlich in einzelnen erbrechtlichen Fragen.
*1 Wir führen mit dieser Behauptung eigentlich nur Schlegels An-
sicht in ihren Consequenzen aus, wahrend er selbst uns zwar den rech-
ten Weg betreten, aber mitten auf demselben stehen geblieben zu seyn
scheint.

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