Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

280 Ueber die isländischen Gesetze und deren Ausgabe«.
Diöcesen Geltung erlangte — den sogenannten Storidomr, d. h.
großen Beschluß, ein Gesetz über fleischliche Vergehen vom Jahre
1564, bestätigt 1565 u. dgl. m.z — bemerken dabei übrigens, daß
alle diese späteren Erlasse, so wichtig sie für den Rechtszustand
der Insel selbst seyn mögen, doch für die ausländische Rechts-
wissenschaft keine besondere Bedeutung haben. Wiederholte Ver-
suche, durch zeitgemäße Umarbeitung des älteren Gesetzbuches den
rechtlichen Zuständen der Insel aufzuhelfen, haben bis jetzt noch
zu keinem Ergebnisse geführt, was um so mehr zu bedauern ist,
je größer bei der absoluten Unmöglichkeit, in vielen Gebieten an
den Vorschriften des 13ten Jahrhunderts noch festzuhalten, die Rechts-
unsicherheit bei den isländischen Gerichten und Aemtern werden
mußte *).
Was ist uns nun von jenen verschiedenen Erzeugnissen der
isländischen Gesetzgebung noch in seiner ursprünglichen Gestalt er-
halten, waS von dem Erhaltenen ist durch den Druck überhaupt
veröffentlicht, oder auch, wenn schon in älterer Zeit- gedruckt, durch
zweckmäßig eingerichtete neuere Ausgaben allgemein zugänglich
gemacht worden?
Sehen wir bei Beantwortung dieser Frage von den dürftigen
Bruchstücken oder gar nur Auszügen aus einzelnen Gesetzen ab,
welche sich in den geschichtlichen Quellen hier und dort zerstreut
finden, so ist uns zunächst aus der republikanischen Zeit Islands
nur ein einziger, oder wohl richtiger gesagt ein zwiefacher Ueberrest
erhalten, die sogenannte Gragas oder Graugans; ihre Entstehung
sowohl als ihre rechtliche Bedeutung nöthigt uns, weil noch immer
bestritten, zu einer etwas eingehenderen Prüfung.
Seit dem Anfänge des 17ten Jahrhunderts taucht in der nor-
dischen Litteratur die Kunde von unserer Quelle auf. Anfangs
wird dieselbe nur als ein namenloser Codex legum antiquarum
u. dgl. bezeichnet?); schon um die Mitte des angegebenen Jahr-

*) Viel Belehrendes über den neueren Zustand des isländischen
Rechtes gibt Magnus Stepbensen, Commentatio de legibus, quae jus
Islaudicum hodiernum efficiant, etc., Havniae 1819.
2) Crymogaea, sive rerum Islandicarum libri III. Per Arngrimum
Jonam, Islandum; an sehr vielen Stellen. Das Werk ist wiederholt
aufgelegt, unter andern bei Henr. Carstens, Hamburgi 1610, und um
diese Zeit geschrieben.

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