Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Das sogenannte Schrifteigenthum. Das Autorrecht. 19
recht mehr an einem Werk, während sich nachher ergibt, daß es
noch fortdaure. Wir sind mit Jolly einverstanden, daß von einer
Bestrafung in den Fällen eines entschuldbaren Jrrthums vernünf-
tiger Weise keine Rede seyn dürfe. Er geht aber weiter und ver-
neint auch die Verpflichtung zum Schadenersatz. Gäbe es kein
civiles Autorrecht, sondern nur ein Verbot des Nachdrucks, und
wäre daher jene Verpflichtung nur eine obligatio ex delicto, so
müßten wir auch dieser Entscheidung zustimmen. Wenn man aber
die rein civilrechtliche Seite der Frage erwägt, und an die Gefahr
denkt, welche bei solcher Behandlung der Sache der Rechtssicher-
heit droht, da es nicht schwer fallen würde, in sehr vielen Fällen
den guten Glauben des Beschädigers wahrscheinlich zu machen, so
wird man doch Bedenken haben, dieser Meinung zu folgen. Es
ist klar, daß auch in diesen Fällen das Autorrecht d. h. das aus-
schließliche Recht des Autors — beziehungsweise seines
Verlegers — zur Veröffentlichung verletzt und beein-
trächtigt wird, und wenn auch der Nachdrucker weder dolos
noch culpos sondern in gutem Glauben gehandelt hat, so hat er
dennoch mit Bewußt seyn eine Handlung vorgenommen, welche
nach ihrem objectiven Zusammenhang als Verletzung der Rechts-
sphäre eines andern erscheint, und zu welcher er in Wahrheit kein
Recht hatte, und er kann daher wohl civilrechtlich für seine
Handlung verantwortlich gemacht werden, d. h. er muß dem aus-
schließlich Berechtigten den Schaden vergüten, den er ihm zugefügt
hat. Ist er dazu durch einen unredlichen Autor verleitet worden,
so mag er auf diesen zurückgreisen, wie denn natürlich auch dieser
für Schadensersatz und darüber hinaus für die Buße hastet. Vergl.
darüber auch Renouard Bd. II. S. 13.

7.
Bei der Erörterung der objectiven Voraussetzungen des
Nachdrucks behandelt Jolly auch die neuerlich von der Allgemeinen
Zeitung angeregte Frage des Abdrucks telegraphischer Depeschen.
Mit Recht verneint er die Zulässigkeit eines Verbotes solchen
Wiederabdrucks. Es gibt kein Autorrecht an solchen Depeschen,
und es kann daher auch keines verletzt werden. Jolly bemerkt
darüber S. 112. ganz gut: „Wenn dieselbe telegraphische Depesche,
die in einer Zeitung enthalten ist, auch in einer andern mitgetheilt
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