Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Die Bildung der Volksvertretung.

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deS gesammten „papiernen Adels, den die absoluten Herren der
vorigen Jahrhunderte zu Schleuderpreisen auf den Markt warfen",
natürlich unvereinbar. Die erste Auswahl müßte vom Staate aus-
gehen, wobei große von der Geschichte anerkannte Thaten vor allem
neuen ebenbürtigen Adel zu schaffen vermögen. Wäre so die Kör-
perschaft auf neue Grundlagen hergestellt, so könnte man ihr für
weitere Ergänzungen das Vorschlagsrecht einräumen. Der Grund-
satz der Erblichkeit der Standesrechte des Adels sey nicht bloß eine
Forderung der politischen Zweckmäßigkeit, sondern der Natur der
Dinge. Denn die stttliche Substanz, die den Kern der Menschen
bilde, und die insbesondere den Adel begründe, werde nur in der
Familie aufbewahrt, gepflegt und auf kommende Geschlechter ver-
pflanzt.
Wir können die unbedingte Bewunderung der Lykurgischen
Verfassung *), welche das Ideal unseres Auctors bildet, weder vom
rein menschlichen noch vom politischen Standpunkte aus theilen;
denn ganz abgesehen von der Art und Weise wie die spartanische
Aristokratie geschaffen und erhalten wurde, würde ja, wenn wir
dieses Muster bei uns nachahmen wollten, die Aristokratie nicht
bloß ein Element der Volksvertretung, sondern die ausschließliche
Herrscherin seyn. So weit will er übrigens nicht gehen. Der End-
zweck seiner Schrift ist nur dahin gerichtet, die Nothwendigkeit deS
Adelsinstituts im Staate darzuthun und die Gründe darzulegen,
welche eine besondere Vertretung desselben in einer eigenen Ver-
sammlung fordern. Sollen aber die politischen Vortheile, die fich
im allgemeinen an dieses Institut und seine Vertretung knüpfen, in
den deutschen Staaten erreicht werden, so muß vor allem der Adel
der Gegenwart von Grund aus reformirt werden. Gelingt es,
diese Reform im Sinne des Verfassers durchzuführen, dann treten
wir auch seiner Forderung in Bezug auf die Vertretung des Adels
bei. Dann ist das stetige Element des Volkes gegeben, welches
wir oben für die Bildung der I. Kammer als nöthig bezeichneten,
und es läßt sich eine Verfassung errichten, die nicht bloß auf

*) Er nennt sie „die wahrhaft im Adel der menschlichen Natur be-
gründete Verfassung" (S. 98) und findet einen Vorzug derselben darin,
daß Lykurg die Spartaner mit Awangsgewalt zur Tugendübung nöthigte
(103) u. s. w.

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