Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

18 Das sogenannte Schrifteigenthum. Das Autorrecht.
merksam zu machen, ist ein ähnlicher geistiger Verkehr der Rechts-
gelehrten in den verschiedenen christlichen Ländern noch nicht zur
Sitte geworden, wie er auf dem Gebiete der Naturwissenschaften
und der Geschichte stattfindet, ungeachtet die moderne Rechtsbildung
weniger als früher ein ausschließlich nationales Gepräge hat und
in vielen Dingen einem gemeinsamen menschlichen Zugefolgt. Das
gilt aber in vorzüglichem Sinne von dem Autorrecht. Ich wage
zu behaupten, daß Jolly, wenn er die Arbeiten der Engländer und
Franzosen über dieses Nechtsinstitut zuvor studirt hätte, einen an-
dern Standpunkt gewählt und sein Buch sehr bedeutend dabei ge-
wonnen hätte.
Es fehlt daher auch nach den Arbeiten Jolly's noch ein deut- ^
sches Buch, welches die Lehre vom Autorrecht so vollständig und
umfassend behandelt, wie es der interessante Gegenstand verdient
und der jetzigen Entwicklung der europäischen Wissenschaft gemäß
ist. Dessen ungeachtet ist die Schrift Jolly's nicht ohne Werth,
und immerhin ein achtungswürdiger Versuch, die schwierige Lehre
zu fördern.
Wir wollen noch einzelnes daraus hervorheben. Indem Jolly
die subjectiven Voraussetzungen des Nachdrucks bespricht, beant-
wortet er auch die wichtige Frage, in wiefern der subjective
entschuldbare Jrrthum von der Strafe und der Ersatz-
pflicht befreie? Der Fall ist keineswegs sehr selten. Die
neuere Gesetzgebung — und hierin sehen wir einen Mangel der-
selben — ist zu sehr geneigt, Strafe und Ersatzpflicht in allen
Fällen zu verbinden, während die innern Gründe durchaus eine
Unterscheidung fordern, indem jede Strafe eine subjective Ver-
schuldung (Dolus oder Culpa) voraussetzt, die Entschädigung
aber nur eine objective Verletzung der Rechtssphäre des Be-
schädigten zum Grunde hat. Es ist aber möglich, daß diese vor-
handen sey ohne jene, z. B. der Autor selbst veräußert seine Be-
fugniß an zwei Verleger, ohne dem zweiten von der früheren Ver-
äußerung Kenntniß zu geben, und dieser handelt in gutem Glau-
ben, indem er das Werk herausgibt. Oder ein Schriftsteller theilt
ein Werk mit, von dem es sich hinterher ergibt, daß es einem an-
dern Verfasser nachgedruckt ist, und man kann vernünftiger Weise
nicht dem Verleger desselben zumuthen, daß er davon wisse. Oder
ein Verleger hat gute Gründe anzunehmen, es bestehe kein Autor-

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