Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Die Bildung der Volksvertretung.

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noch eines, daS Haupt der Lehrerschule nämlich (den Decan der
philosophischen Facultät). Der Provincialvorstand wählt dann selbst
sein leitendes Haupt, das Provincialhaupt der gesammten Lehrer-
schaft — „den LandeSschulherrn." — In ähnlicher Weise orga-
nisirt der Verfasser auch die übrigen gelehrten Stände und erhält
in Folge hievon einen Landesgerichtsherrn, einen Landesarzt und
einen Landesbischof.
Den Gelehrten sind als Analogon auf dem materiellen Gebiete die
Gewerbetreibenden und Kaufleute, den Geistlichen die Landwirthe gegen-
übergestellt. Die Organisation der Handwerker besteht nun aber darin,
daß die Meister desselben Handwerks, welche in einer Stadt oder Land-
stadt wohnen, mit den zunächst liegenden Landmeistern eine Genossen-
schaft mit einem besonderen Vorstände, einem Handwerksherrn, bilden,
und daß die sämmtlichen Handwerksherren einer Stadt zum Handwerks-
rathe zusammentreten, der insbesondere über die Befähigung zum einzel-
nen Geschäfte zu entscheiden hat, also die Meisterprüfung entweder
selbst vornimmt oder durch besonders aufgestellte Prüfer vornehmen
läßt. Wer sich das Zeugniß der Befähigung bei irgendeiner
Handwerkerschaft des Landes erworben' hat, dem steht das ganze
Gebiet seines Volkes zur Niederlassung als Meister offen, und er
tritt dadurch von selbst in die Genossenschaft am Niederlassungs-
orte ein.— Das Fabrikwesen sey, weil noch im Werden begriffen,
einer dauernden Organisation noch nicht fähig. Dieser Mangel
erzeuge übrigens keine Lücke im Vertretungs-Organismus, da der
Fabrikherr für seine Person in der Vertretung Sitz und Stimme
habe. — In ähnlicher Weise organisiren sich die Kramer unter
einem Kramerherrn, und daneben sind die großen Kaufherren für
sich zu einer Stimme in der Gemeinde berechtigt, während die
Genossenschaft der Kramer durch ihren Kramerherrn, oder wo selbe
besonders zahlreich ist, durch mehrere vertreten wird.
Die Genossenschaft der Landwirthe muß der Natur derLand-
wirthschaft entsprechend, die größere Räume für ihren Betrieb
fordert, ihre Organisation auf einen größeren Bezirk, den Gau
gründen; die Bauerschaften in den einzelnen Dörfern oder wohl
auch in Landstädten und Flecken mit einem Bauerherrn an der
Spitze, bilden besondere Untergenossenschaften. Die Bauerherren
und die Gutsbesitzer des Gaues vereinigen sich zur eigentlichen
landwirthschaftlichen Genossenschaft, die sich ihren Vorstand wählt,
Kritische Ueberschau. 18

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