Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Die Bildung der Volksvertretung

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Verfassungen weder bestehen können wie sie sind, noch so umgestaltet
werden können, daß sie Bestand erhielten (S. 1 u. 26). In der
vorliegenden Schrift entwickelt er aber nur seine Grundsätze über
die Neugestaltung der Volksvertretung, und legt auch bei
der Beantwortung dieser Frage das Hauptgewicht auf die Zusam-
mensetzung; nur in untergeordneter Weise wird auch deren Wir-
kungskreis mit in die Erörterung gezogen. Das Wesen diese-
neuen Staatsgebäudes wird uns aber nur in sehr allgemeinen und
zurückhaltenden Ausdrücken angedeutet; der Verfasser nennt seinen
Staat wiederholt „den organischen Volksstaat der Zukunft" „mit
dem monarchischen Haupte an der Spitze" (S. 356), und weist
uns an verschiedenen Stellen darauf hin, daß derselbe auf wesent-
lich anderen Grundlagen als der jetzige Staat beruhen werde, daß
daher z. B. Heer- und Finanzwesen desselben von dem gegenwärtig
bestehenden völlig abweiche. Dadurch wird nun aber das Verständniß
und die Beurtheilung der vorliegenden Arbeit in hohem Grade erschwert,
indem der Verfasser einer Reihe von Einwendungen gegen sein
System mit der Bemerkung begegnen kann, daß seine Sätze nur
folgerichtige Ausflüsse seiner allgemeinen, deM Leser aber unbekannten
Principien seyen. Wir werden daher im Folgenden einen kurzen
Bericht über den Inhalt der Schrift erstatten, und uns dann auf
einige allgemeine Bemerkungen über den Werth des Systems be-
schränken müssen.
Der erste Abschnitt der Schrift soll die Grundgedanken des
Systems darlegen. Diese beziehen sich auf die Feststellung,, der Bedingung
des Wahlrechts, der Wählerkreise, der demokratischen und aristokrati-
schen Elemente und der Art und Weise, wie aus den Wähler-
kreisen die Vertretung hervorgeht." — Die Bedingung des Wahl-
rechts sucht der Verfasser nicht in dem rein äußerlichen Momente
des Census, 0 sondern in der „Selbständigkeit des Mannes," als
deren Grundlage er die Befähigung betrachtet, „in dem schaffenden
Organismus des Volkes eine selbständige Größe zu bilden." Wer
die Tüchtigkeit zur selbständigen Uebung eines Berufes oder Ge-

*) Dazu ist das deutsche ,.Volk zu geistig (S. 39)." Der Verf.
bleibt sich aber nicht cvnsequent, indem er im Verlaufe der spateren
Ausführung doch vielfach den Census entscheiden laßt; vergl. z. B.
S. 386 u. 387.

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