Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Die Bildung der Volksvertretung.

ben fordere. Dabei wird aber ausdrücklich die Verwahrung hin-
zugefügt (S. 159): „Wir verwerfen allen Census schlechtweg,
allein nicht etwa um das Volk in seiner ganzen Masse, ohne
irgend welche organische Gliederung zu rufen und für die Aristo-
kratie des Geldes den Terrorismus der Kopfzahl einzutauschen,
sondern weil wir nur Eine Bedingung anerkennen, die derjenige
erfüllen muß, welcher zu der höchsten Thätigkeit des Menschen,
der Verwaltung der Staaten herantreten will, nämlich die poli-
tische Bildung und den Patriotismus. Diese gilt es zu ergreifen in dem
Wahlgesetze; alle äußere Schranke entstammt einem falschen Conser-
vatismus, dessen Blicke nicht über den kommenden Tag hinausreichen."
Entschiedener noch verwirft Levita die in mehreren neueren
Verfassungen versuchte Beibehaltung, ro8p. Wiederherstellung der
Feudal stände, denn die wirklichen Stände des Mittelalters
heben das Wesen des modernen Staats auf; nur jene machtlosen,
durch die absolute Fürstengewalt gebrochenen Feudalstände, die sich
mit der starren Einseitigkeit des monarchischen Princips vertragen,
die aber eben darum auch ohne alle reelle Bedeutung seyen, habe
man wiederhergestellt. — Jene Verfassungen, welche ihre Volks-
vertretung aus dem allgemeinen Stimmrechte hervorgehen lassen
— und dahin werden mit Recht auch jene gezählt, welche das
Wahlrecht von der Zahlung irgendeiner direkten Staats- oder Ge-
meindesteuer abhängig machen — haben von den beiden Rücksich-
ten, welche bei der Constituirung aller politischen Gewalten erwo-
gen werden müssen, nämlich dieselben zunächst und vor Allen den
Besten einzuräumen, und daneben einen möglichst großen Theil der
Nation zur Theilnahme zu berufen, nur die letztere einseitig bei
der Bildung der Volksvertretung wirken lassen. Dieses wider-
spreche aber der Natur des Staates, der nicht auf Zahlen beruhe,
oder nach einem Rechen-Erempel bestehe, sondern vor allem höhere
Qualitäten voraussetze, die nicht so sehr für sich ein Vorrecht
genießen sollen, sondern auf welche die Gesammtheit ein Anrecht
habe. Dazu komme, daß die Zwecke, welche man dabei im Auge
habe, in der That doch nicht erreicht würden; statt nämlich dabei
alle zur Theilnahme zu rufen, habe man dem Erfolge nach die
Herrschaft weniger Agitatoren begründet. Man habe nur einen
kleinen Schritt über das allgemeine Wahlrecht hinaus gethan,
wenn man, wie in den preußischen Verfassungen von 1849 und

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