Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

-46 Ueber die Landgemeinden.
hie da niedergelassen smd, einen Antheil haben, zumal wenn auch
sie dauernd wird, in vollem Maße Beachtung verdient. Es ist
ein durchaus unnatürlicher Zustand, wenn ein großer, vielleicht
her größere Theil des Grundeigenthums in einem Gemeindebann
nichtbürgerllchen Ansäßen gehört, und doch nur die Bürgerschaft
des Orts über die gemeinsamen Anstalten und Interessen des Orts
zu entscheiden hat. Sollen daher die Bürger gemeinden er-
halten werden, so muß dafür gesorgt seyn, daß sie zugleich
und fortwährend der überwiegende Bestandtheilder stäti-
gen Einwohnerschaft bleiben. Das aber wird nur dadurch
möglich gemacht, daß den Ansäßen, voraus den Grundbesitzenden,
welche im übrigen diejenigen persönlichen Qualitäten haben, die
von einem gewöhnlichen ordentlichen Bürger erwartet werden, der
Weg in die Bürgergemeinde eröffnet und die Aufnahme in dieselbe
erleichtert wird. Durch nichts können die schweizerischen Bürger-
gemeinden ihre Lebenskraft besser bewähren und erhalten, als durch
entschiedene Schritte zu solcher Erfrischung ihres eigenen Körpers,
indem sie sich zu fortgesetzter Aufnahme der Familien entschließen,
welche einen natürlichen Anspruch haben, ebenfalls zu vollberech-
tigten Gliedern einer Gemeinde zu werden, mit welcher sie zwar
nicht durch das Blut der Vorfahren, aber durch ihre Erziehung
oder ihr Berufsleben nahe verbunden sind. Eine solche beständige
Erneuerung der Corporatione» ist aber in einem späteren Lebens-
alter derselben — in der ersten Jugend thun es alle — so schwie-
rig, und es treten derselben so viel kleinliche Vorurtheile und selbst-
süchtige Interessen einzelner in den Weg, daß die durchaus noth-
wendige Reform ohne den nöthigenden Anstoß und die Nachhülfe
der Gesetzgebung schwerlich zum Vollzug gelangen wird.
Bluntschli.

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