Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Heber die Landgemeinden.

gut zu erziehen, versündigt sich gegen die ersten Gebote der mensch-
lichen Natur, und daraus muß nothwendig BöseS erwachsen. Der
Leichtsinn, der eine Familie begründet hat, die Noth, die davon
unausbleibliche Folge ist, sühren nothwendig zum Bösen; die Kin-
der, die in Rohheit, ohne regelmäßige Besriedigung ihrer Bedürf-
nisie, in der Gewohnheit des BettelnS oder der Verletzung frem-
den Eigenthums aufgezogen werden, werden zur Plage der Ge-
meinde. Sie bedenken sich noch weniger als die Eltern leicht»
finnige Verbindungen einzugehen, weil ihnen auch jeder Begriff
von den Bedürfnissen eines geordneten Haus- und Familienwesens
fehlt. Armuth und Verwilderung müssen aus diese Weise lawi-
nenartig wachsen; und leider liegen die Beispiele von den natür-
lichen Folgen derartiger Grundsätze namentlich in preußischen Ge-
meinden nur zu nahe."
Nach den Erörterungen über die Bestandtheile der Landge-
meinden geht Strüve zu der kritischen Betrachtung ihres Ge-
schäftskreises über. Sie ist nicht minder reich an vortreff-
lichen Beobachtungen, -und dem Studium der Regierungs- und
Verwaltungsmänner sehr zu empfehlen. Aber mehr als einmal
ist in uns der Wunsch erwacht, es möchten die mancherlei Be-
merkungen übersichtlicher geordnet, und zu klar formulirten Vor-
schlägen zusammengefaßt worden seyn.
Wir können in dem neuern weltlichen Gemeindeleben drei
Beziehungen unterscheiden:
1) Die politische Beziehung zum Staate, in welchem sie
allerdings die Bedeutung eines für die Verwaltung und die
politische Organisation des Ganzen wichtigen Gliedes hat.
Es ist daö die Bedeutung der politischen Gemeinde
im engem Sinn.
2) Die rein privatrechtliche Beziehung, in welcher ge-
wisse Gemeindegüter (z. B. die Waldung) zu den Genüffen
der einzelnen Grundbesitzer oder Gemeindebürger stehen. In-
sofern erscheint die Gemeinde wie jede andere privatrechtliche
Corporation oder Genossenschaft. Wir können sie insosem
die Nutzungsgemeinde heißen.
3) Die öffentliche, aber zugleich wesentlich locale Be-
deutung der Gemeinde, d. h. den Kreis des Gemeindelebens,
der nicht vom Staate bestimmt und nicht um desGan-

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