Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

und die vermögensrechtliche Persönlichkeit.

195

Genügte es denn nicht, zu sagen: also hat der Erblasser die Erb-
schaft fortwährend nur dadurch, daß die Person des Erblassers in
ihm fortlebt, durch deren Aufnahme er dieselbe erworben hat? So
wäre uns doch wenigstens das Objectwerden der Person des Erb-
lassers, die denn doch wieder Subject bleibt, — denn eS heißt
auch: das unmittelbare Subject des erbschaftlichen Vermögens ist
der Erblassers — erspart worden.
Dagegen hat sich denn auch IHerings) verwahrt; ihm ist
die in der Erbschaft fortlebende Persönlichkeit des Erblassers nicht
Gegenstand des Erwerbes; sie ist ihm nur Mittel, die gesammten
Rechtsverhältnisse des Erblassers auf den Erben zu übertragen,
gleichsam eine Handhabe, wie er sich ausdrückt, die der Erbe nur
zu ergreifen braucht, um sich sämmtlicher Rechtsverhältnisse auf
einmal zu bemächtigen. Aber das Ergreifen dieser Handhabe er-
scheint ihm nicht als Occupation eines Objects; er meint nichts
anderes, als daß der Erbe die Persönlichkeit des Erblassers in sich
aufnehme. Da bleibt denn noch der weitere Streit zwischen ihm
und Puchta, ob dieses Aufnehmen so gedacht werden könne, daß
das Aufgenemmene in dem Moment der Aufnahme zu Grunde
gehe.
Scheurl bezeichnet es selbst als die Aufgabe seiner Abhand-
lung, Puchta's Ansichten gegen I Hering's Angriffe in Schutz
zu nehmen. So schließt er sich denn auch hier ganz an Puchta
an^). Der Erbschaftserwerb ist das Eintreten in das Verhältniß
des Erblassers zu seinem Vermögen. Dieses Verhältniß ist ein
von der Person unzertrennliches; denn das Vermögen ist kein ob-
jektiver Begriff. Also läßt sich der Eintritt des Erben in dasselbe
nur durch die Vermittlung des Gedankens begreifen, daß die Per-
son des Erblassers selbst als in der Erbschaft fortdauernd in das
Rechtsgebiet des Erben eintritt, von der Person des Erben aus-
genommen wird. Und soll nach dem Antritt von einer Erbschaft
überhaupt noch geredet werden können, so muß diese mit demselben
nicht untergehen. Sie muß in dem Erben fortleben, als ein nicht
selbständiges, aber doch noch fortwährend von ihm zu unterscheidendes

*) Vorlesungen II. S. 289.
2) S. 239-244.
3) S. 3. 34 ff.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer