Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

und die vermögensrechtliche Persönlichkeit. igz
brochen worden, daß sie nicht, wie die hergebrachte Meinung glaube,
eine juristische Person sey, daß, wenn die römischen Juristen von
ihr sagten, sie stelle die Person des Erblassers dar, sie das nur
thäten, um für den civilen Erwerb durch Sklaven ein Subject
zu gewinnen, von dem man sagen könne, ob es die nöthigen Eigen-
schaften habe, und daß daher dieser Ausspruch für uns, die wir
keine Sklaven mehr hätten, ohne alle Bedeutung sey. Die ein-
fachste und natürlichste Behandlung der ruhenden Erbschaft sey
vielmehr die, daß man sie als das Vermögen eines noch un-
bekannten Erben ansehe, der aber doch einmal bekannt werden
müsse, und auf den dann alles zu beziehen sey, was sich in der
Zwischenzeit mit diesem Vermögen etwa zutragen möge.
Indem Puchta als Gegner dieser Ansicht auftrat, hat er
zunächst geltend gemacht, daß den Aussprüchen der Quellen eine
so beschränkende Auslegung ohne Gewaltsamkeit nicht aufgedrungen
werden könne, vor allem aber und mit besonderer Betonung, daß
die ganze Structur des Erbrechtes die Fiction der fortdauernden
Persönlichkeit des Erblassers mit Nothwendigkeit erheische. Denn
das Erbrecht wolle nicht die einzelnen Vermögensverhältnisse über-
tragen, sondern das Vermögen; ein Vermögen aber sey kein ob-
jektiver Begriff, ein Vermögen bestehe nur durch ein Subject, auf
welches die einzelnen Vermögensverhältnisse bezogen würden. Solle
also nach dem Tode des Erblassers von einem Vermögen über-
haupt noch geredet werden können, so müsse seinem Nachlasse ein
neues Subject gegeben werden, und dieses gewinne es eben durch
die Fiction, daß in ihm des Erblassers eigene Persönlichkeit fort-
dauere. Nur durch sie sey es auch möglich, den ganzen Nach-
laß auf den Erben zu bringen; denn ohne sie müßten die Obliga-
tionen des Verstorbenen, als von der Person unzertrennliche Rechts-
verhältnisse, mit seinem Tode untergehen. Erhalten werden könn-
ten sie nur, indem sie fortwährend derselben Person zugeschrieben
würden, für welche sie begründet worden seyen.
Dieser Gedanke Puchta's hat gezündet; wir finden ihn in
allen oben genannten Darstellungen als herrschenden und leitenden
wieder. Nur ist in ihnen die als fortlebend gedachte Persönlich-
keit des Erblassers nicht immer dasselbe geblieben, was sie bei
Puchta ist; sie schillert bald in einen andern Begriff hinüber,
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