Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

des Strafrechts.

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vorsätzlich oder absichtlich die Handlung desjenigen zu betrachten
sey, welcher die rechtswidrige Beschaffenheit seiner freiwilligen That
bei deren Verübung gewußt, oder die rechtsverletzende Wirkung der-
selben gewollt hat. Allein abgesehen davon, daß eine solche oder
ähnliche Begriffsbestimmung viel zu künstlich construirt, viel zu
räthselhaft wäre, als daß ihr Verftändniß einem andern als einem
geschulten Rechtsgelehrten zugetraut werden kann, daß sie also in
ein auch für Geschworenengerichte berechnetes Gesetzbuch nicht paffen
würde; so liefert sie geradezu den Beweis, daß eine abstracte
Definition des Dolus überhaupt für das Strafgebiet sich nicht auf-
stellen läßt, weil derselbe bei aller principiellen Einheit seines We-
sens doch je nach der Verschiedenheit der Verbrechen Nüancen
annimmt, welche in einer für die praktische Beurtheilung gemünz-
ten Definition ebensowenig übergangen werden dürften, als sie sich
ohne doctrinelle Erläuterungen in gesetzgeberischer Fassung aus-
fprechen lassen.
Die Fahrlässigkeit bedarf als ein aus dem Civilrecht geläufiger
Begriff noch weniger einer Definition im Strafgesetzbuch. Auch
ist die Unterscheidung von Graden der Fahrlässigkeit überflüssig, da
das Prädicat fahrlässig von selbst auch die leichtere Art der Fahr-
lässigkeit in sich faßt.
3 Der Versuch.
Die Behandlung des Versuchs von Verbrechen bietet dem
Strafrecht drei Probleme, welche auch in der neuern Gesetzgebung
eine verschiedene Lösung gefunden haben. Soll der Versuch bei
allen Verbrechen und Vergehen gestraft werden, und soll also ein
allgemeiner Grundsatz über die Bestrafung desselben ausgestellt
werden? Von wo an soll die Strafbarkeit der Versuchshandlungen
beginnen, und wie soll diese Strafbarkeit im Verhältniß zu der
Vollendung gestellt werden?
Aus den Einzelnbestimmungen des römischen Rechts über die
Versuchshandlungen bei den schwereren Verbrechen hatte schon die
italienische Praxis die allgemeine Strafbarkeit des Versuchs bei den
delicta atrociora abgeleitet und die P.-G.-O. spricht dieselbe für
die peinlichen Verbrechen aus. Die spätere Auslegung hat aber
dem Art. 178 die Bedeutung einer abstracten Strafbestimmung des
Versuchs bei allen Straffällen abgewonnen, und in dieser Allgemeinheit
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