Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

deutscher Civilgesetzge-ung

145

und Eintheilung der Verträge", wo unter andern Ueberflüsstgkeiten
z. B. vorkommt: 8. 881. „Bedingte Verträge sind an Bedingun-
gen geknüpft, unbedingte dagegen sind hiervon nicht abhängig ge-
macht", und §. 887. „Sinnlose Verträge lassen keinen vernünf-
tigen Zweck ihrer Eingehung erkennen, bei vernünftigen findet das
Gegentheil statt" u. dgl. m.
Lobenswertst ist S. auch darin, daß er sich regelmäßig
deutscher Begrissbezeichnungen bedient, ohne jedoch in übertrie-
bener Sprachreinigungssucht auch solcher üblich gewordener fremd-
sprachlicher Bezeichnungen sich zu enthalten, welche durch all-
gemein-gültige deutsche Ausdrücke nicht leicht zu ersetzen sind;
z. B. Commissionär, Sequestration, Indossament u. s. w. Bis-
weilen wird der Sicherheit wegen dem deutschen Ausdrucke
der fremde eingeklammert zur Seite gestellt. Noch häufiger ist
dieß im Z. der Fall, der zudem auch sonst öfter wohl entbehrlicher
Fremdworte sich bedient, z. B. Compensation, Debitor und Creditor,
Dolus u. a., während sich andererseits auch einzelne deutsche Aus-
drücke darin finden, die uns unerhört sind, als Trölerei, Trotten,
Trägerei. Am meisten befleißigt sich P. deutscher Sprachreinheit
und ist erfinderisch in Aufbringung neuer deutscher Ausdrücke,
z. B. Verträger für Contrahenten.
Endlich ist nun noch in dieser allgemeinen Erörterung die
systematische Anordnung der Entwürfe zu berühren. Referent hat
sich über diesen Punkt schon bei einer andern Gelegenheit aus-
führlich ausgesprochen *). S. hat sich in der Hauptsache den dort
entwickelten Ansichten angeschlossen^), indem er nach einem all-
gemeinen Theil als zweiten Theil das Sachenrecht aufstellt, als
dritten Theil das Recht der Forderungen, als vierten das Familien-
und Vormundschaftsrecht, und als fünften das Erbschaftsrecht.
Diese Anordnung hat auch seitdem einen neuen Vertheidiger, nament-
lich im Vergleich mit dem System des österreichischen Gesetzbuchs,
an dem österreichischen Beurtheiler des sächsischen Entwurfs ge-
funden b). Natürlich können wir uns damit auch jetzt nicht anders
als einverstanden erklären. Doch schließt dieses nicht aus, daß

1) Krit. Jahrb. X. S. 137. fg. XI. S. 799. fg.
2) Held a. a. O. S. 36. fg.
3) Unger a. a. O. S. 7. fg.
Kritische Ueberschau.

10

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer