Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

deutscher Civilgesetzgebung.

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fast wörtlich zum Grunde liegt"'). Jedoch hat S. „in mancher
Hinsicht die etwas größere Ausführlichkeit des Code civil und der
hessischen Entwürfe nachahmungswerth gesunden", häufig nämlich
einzelne streitige Fragen „durch eine speciellere Vorschrift zur Ent-
scheidung gebracht", oder „einen höhern Grundsatz in einige Folge-
sätze aufgelöst und auf die wichtigeren Fälle angewendet, um
dadurch den Sinn und die Bedeutung des Princips deutlicher vor
Augen zu führen"^). In den meisten Fällen dieser Art aber hat
sich derselbe, nach dem Urtheil des österreichischen Kritikers, „jener
Interpretation desselben angeschlossen, welche von den ausgezeich-
netsten Rechtsgelehrten Oesterreichs als die richtige, dem Geiste des
Gesetzes entsprechende aufgestellt wird", und sich zugleich „in der
Fassung und Sprache, welche von den Verfassern des öfterreich.
Gesetzbuchs mit einer Meisterschaft behandelt wurde, wie vor ihnen
nie und seither selten, diesem Vorbilde sosehr anzuschließen gewußt,
daß die neu aufgenommenen Bestimmungen auch in dieser Be-
ziehung in ungetrübter Einheit mit den aus jenem wörtlich ent-
lehnten §§. stehen" b). Dem Umfange, nach ist denn theils hier-
durch, theils durch die Aufnahme des im österreichischen Gesetz-
buche fehlenden Gantrechts S. größer geworden als dieses; jener
zählt 2180 88-, dieses nur 1502. Im Ganzen müssen nun auch
wir mit dieser Haltung oder Methode des S. uns einverstanden
erklären, insofern er hauptsächlich nur darauf ausgeht die leiten-
den Grundgedanken aufzustellen, jedoch auch hin und wieder durch
nähere Bestimmungen die Anwendung zu sichern und zu erleich-
tern sucht. Auch Z. stimmt in dem Maße der Ausführlichkeit
ziemlich mit S. überein; er zählt nur 24 88. mehr als S. Aber
was die Sprache und Fassung betrifft, können wir nicht ganz in
das obige unbedingte Lob einstimmen. Zwar halten auch wir in
einem Gesetzbuch Verständlichkeit und Klarheit der Ausdrucksweise
für wichtiger als Kürze und Schönheit, und gern geben wir zu,
daß auch in Ansehung der Sprache das österreichische Gesetzbuch
seiner Zeit nicht ohne Verdienst war; aber es will uns doch be-
dünken, als ob jene Vorzüge, vereinigt und mit wissenschaftlicher

0 Unger a. a. O. S. 3.
2) Held a. a. O. S. 35.
3) Unger a. a. O. S. 4.

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