Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

106

Maurer,

von Speck, Käse, Wachs, Wolle, Salz, von Garn zu Fischernetzen,
u. dergl. m. Daneben kommen in nicht geringerer Mannichfaltig-
keit Dienste vor, auf welche der eigentlich nur für die Abgaben
passende Ausdruck gafol zuweilen auch angewandt wird; *) dahin
Feld- und Ackerdienste, mögen diese nun im Säen und Pflügen,
oder in Heu- und Aerndtearbeit bestehen, Holzarbeit, Dienst zur
Zaunerrichtung, Jagdfrohnden, Boten- oder Vorspanndienste, Her-
bergung, Wachtdienste, u. dergl. Zuweilen muß beliebiger Dienst
an bestimmten Wochentagen geleistet werden; zuweilen, wiewohl
immerhin selten, kommen völlig ungemessene oder unbestimmte Dienste
vor; bet laenland, dessen Obereigenthum einer Kirche zustand, findet
sich auch wohl, etwa neben einer Kirchenschatzung, der Dienst zur
Kirchenbesserung aufgelegt, u. s. w.2) Im ganzen behauptet Kemble
mit vollem Recht, daß die Lasten des Lehnlandes durchschnittlich
sehr drückend, und demnach die Lage der geringeren Leute, zumal
seitdem der Grundstock des koleland erschöpft, und damit der früher
ermöglichte Ausweg für die steigende Bevölkerung gesperrt war,
eine sehr harte gewesen sey; auf der andern Seite läßt aber auch
die Thatsache, daß so schwere Lasten übernommen und getragen
werden konnten, auf eine bereits ziemlich hohe Stufe der Acker-
wirthschaft schließen. — Man sieht, die Landleihe nimmt bei den
Angelsachsen wesentlich dieselbe Gestalt an, welche sie auf dem
deutschen Feftlande zeigt; in der That ist diese ihre Gestalt durch
die hier wie dort gleichen Bedürfnisse der geringeren Leute einer-
seits, durch die nicht minder gleichförmige Art der Bewirthschaftung
der größeren Güter andererseits nothwendig bedingt. Nur den
kleineren Theil seiner Güter pflegte, auch bei den Angelsachsen,
der vornehmere Herr in eigener Regie als dominium oder inland
zu bewirthschaften, nur soviel nämlich, als für die Erhaltung der
zum Betriebe des Ackerbaues, der Viehzucht und der verschiedenen
nöthigen Handwerke, dann zu den nöthigen Dienstleistungen im Hause
verwendeten freien und unfreien Dienerschaft, sowie des Herrn
selbst, seiner Familie und seiner Gäste erforderlich war; der Ueber-

*) §. B. gafoltuning, gafolmäd, u. dergl.; sonst findet sich auch
für Dienste wie Abgaben der Ausdruck leorm.
2) Am belehrendsten über die auf dem laenlanä ruhenden Lasten
sind, neben den Keel.ituäme8, die Urkunden; vergl. z. B. mini. 1077,
num. 461 im Cod. dipl. u. a. m.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer