Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Maurer,

deutung des altnordischen öndvegi. Als Ehrensitz des Hausvaters
in der Mitte des Hauptgemaches im Hause bildet dieser recht
eigentlich den Mittelpunkt des ganzen Grundbesitzes, und in ihm
verkörpert sich der Werth des alten odhal; seine öndvegis8ulur. die
den Hochsitz umgebenden Säulen, nimmt der norwegische Auswan-
derer mit hinüber nach Island, um dort in der neuen Heimath die
alte gewissermaßen wideraufleben zu lassen; — beim feierlichen
Erbbiere besteigt der Sohn des Verstorbenen nicht ohne gewisse
Förmlichkeiten den Hochsitz, und tritt hiemit die väterliche Erb-
schaft feierlich an; — nach seinem öndvegi endlich hat man den
ansäßigen Bauern zu laden, als nach dem Orte, der am klarsten
als dessen Heimath sich darstellt, wo eine Verhandlung an dessen
Wohnstelle zu erfolgen hat. 4) Der Hochsitz also bestimmt, wie der
stol im Heljand, in rechtlicher Beziehung die Heimath und den Gerichts-
stand, und ein gleiches dürfen wir wohl auch von dem angelsächsischen
krumsto! oder edhelstol annehmen. — Wie haben wir uns nun
aber die Entstehung des edhel zu denken? Offenbar in folgender Weise.
Gleich bei der ersten Besitznahme des Landes erfolgte eine geordnete
Landestheilung, oder, wenn wir für die erste Zeit ein freies Occu-
pationsrecht glauben annehmen zu sollen, wenigstens in etwas spä-
terer Zeit eine regelmäßige Regulirung des schon in Besitz genommenen
Landes; schon Tacitus weist darauf hin, daß die Theilung der
Ländereien pro numero eultorum. erfolgt sey, * 2) d. h. gleichheitlich
unter alle Angehörigen der Gemeinde, und spätere Quellen der
deutschen Rechtsgeschichte, welche die Stammgüter als sorte8 be-
zeichnen, machen wahrscheinlich, daß dieselbe durch das Loos be-
stimmt wurde. Dabei mußte natürlich von Anfang an jedem Land-
antheile ein eigener Hausstand entsprechen, und es lag nahe genug,
diese Jdentificirung von Haushalt und Grundbesitzantheil dadurch
auch für die Zukunft festzuhalten, daß man das durch die Thei-
lung erhaltene Land für unveräußerlich erklärte: an die Familie
des ersten Erwerbers wenigstens war der Grundbesitz damit ge-
bunden, wenn sich auch nicht verhindern ließ, daß diese selbst mit

steht, daß nicht selten das geringste Maß von Grundbesitz durch den
Raum bezeichnet wird, den ein Stuhl einnimmt, ebenda, p. 80—1.
*) Vgl z. B. tiulathings Lag. §. 35; nach Frostathings L. X.
§. 4, geht die Ladung dagegen an die Feuerstelle.
2) Germ. c. 26.

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