Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

über angelsächsische Rechtsverhältnisse.

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Gemeinsame Beiträge werden zur Förderung der gemeinsamen Zwecke
erhoben, und die Gildbrüder zu deren leichteren Verfolgung in Ab-
theilungen von je 10 Männern mit einem elften als Vorsteher
getheilt, sowie in höhere Abtheilungen von je 10 solchen Vereinen,
denen dann ebenfalls wieder ein eigener Beamter vorgesetzt ist; die
11 Beamten, welche sich so für jede höhere Abtheilung ergeben,
sollen aber die Beisteuern einheben, und in monatlichen Zusammen-
künften die gehörige Beobachtung aller Satzungen des Vereins
überwachen. Man sieht, in allem dem ist nichts, was dem Cha-
rakter der sonstigen Gilden, wie er oben geschildert wurde, irgend
wie zuwider wäre, und wir finden denn auch in der That im
Frankenreiche ebenfalls gildoniae, welche de incendio oder de
naufragio eingegangen werden, und demnach ebenfalls als Asse-
curanzgesellschaften, nur gegen andere Beschädigungsgefahren, sich
darstellen. Ganz deutlich tritt diese Identität unserer Quelle mit
den sonst bekannten Gildstatuten in deren mehr accesforischen Be-
stimmungen hervor: ein gemeinsamer Schmaus ist für die Zu-
sammenkunft der Vorsteher angeordnet, und selbst die gemeinsame
Fürsorge für das Seelenheil eines jeden versterbenden Gildbruders
ist nicht vergessen! Mit vollem Recht wird diese Gleichartigkeit von
Marquardsen Kemble gegenüber, der dieselbe abläugnet, festgehalten;
mit vollem Recht hebt er ferner hervor, was Kemble freilich auch
seinerseits zugibt, daß die Zehntschaften und Hundertschaften der
Londoner Friedensgilde mit der teodhung und dem hundred in
dem früher erörterten Sinne nicht das mindeste gemein haben,
wenn auch der Name teodhung hier wie dort sich gleichmäßig
findet^). Auf diesen letzteren Punkt müssen wir aber um so mehr
ein entscheidendes Gewicht legen, als gerade er es ist, der die
Heranziehung der Statuten der Londoner Friedensgilde, und damit
auch jener älteren Vorschriften über die gegildan, zu der Gesammt-
bürgschafts-Theorie vermitteln muß; wenn man demnach von den
Zehentschaften und Hundertschaften des francpledge der Leges

0 lud. civ. Lund. c. 8, §. I; auch c. 4. Beiläufig bemerkt wollen
Waitz, Kemble u. a. an der letzteren Stelle unter teodhung die territo-
riale Zehntschaft anstatt jener persönlichen verstehen; uns scheint diese
Deutung von Marquardsen, ang. O. p 40 not., genügend widerlegt,
und die offenbar vorliegende Tertverderbniß befriedigend beseitigt zu seyn.

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