Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Die neuere französische und belgische Hypothekengesetzgebung. 75
zuführen. Denn die gesetzlichen Hypotheken der Frauen, Minder-
jährigen und Jnterdicirten sind von der Nothwendigkeit der Ein-
tragung in die Hypothekenbücher befreit; neben den öffentlichen
Hypotheken gibt es also noch g.Heime. Außer den vertragsmäßi-
gen und gesetzlichen kennt der Code noch die gerichtlichen Hypo-
theken ; jedes condemnatorische Urtheil bildet einen zur Eintragung
in das Hypothekenbuch geeigneten Titel, so daß auch der chirogra-
pharische Gläubiger zu einem hypothekarischen wird, sobald nur die
Forderung in einem gerichtlichen Urtheile anerkannt ist. Die
Publicität ist auf die Hypotheken beschrankt, zur Uebertragung des
Eigenthums und anderer dinglicher Rechte an Grundstücken ist
keine Eintragung in öffentliche Bücher erforderlich; der Eigen-
thumsübergang wird stillschweigend durch den Vertrag bewirkt, nur
die Schenkungen und Substitutionen machen eine Ausnahme.
Die Zahl der Schriften, in welchen die Beseitigung dieser
Uebelstände verlangt wurde, ist eine nicht unbeträchtliche. Die
französische Hypothekarreform hat eine selbständige Litteratur aufzuwei-
sen, und selten hat die Wissenschaft ein bestimmtes Ziel mit gleicher
Consequenz festgehalten. Es waren nicht die Theoretiker allein,
welche eine Verbesserung des Hypothekenwesens verlangten, die
eifrigsten Anhänger der Hypothekarreform gehörten vielmehr der
Praris an. Der Generalprocutaror Dupin hatte im Jahre 1840
die Mängel des bestehenden Systems in einer Rede vor dem
Cassationshofe öffentlich gerügt. Gleichwohl ist der Reformbewe-
gung von mancher Seite der Vorwurf gemacht worden, daß sie
weniger aus praktischem Bedürfniß als aus einseitigem Festhal-
ten an theoretischen Principien hervorgegangen sey. Man hat da-
bei übersehen, daß eine Trennung zwischen Rechtstheorie und
Praris in Frankreich entweder überhaupt nicht, oder nur in sehr
geringem Maße besteht. Doch ist jener Vorwurf wenigstens nach
einer Seite hin nicht unbegründet. Diejenigen irren nämlich,
welche die Hebung des hyothekarischen Credits einzig und allein
von einer guten Gesetzgebung erwarten. Der Reatcredit ist eben
so sehr von den ökonomischen und sittlichen Zuständen der Zeiten
und Länder abhängig, und die juristische Sicherheit der Hypothe-
ken ist es nicht allein, welche dem Grundbesitzer daö erforderliche
Capital zuführt.
Die Klagen über das französische Hypothekenwesen sind nicht

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