Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

44 Zur neuesten civilistischen Literatur.
4) L. 1 Cod. de dote cauta. Die „scriptura" in dieser
Stelle bedeutet eine im Dotalinftrument bezeugte Stipulation ent-
weder zur Bestellung oder über Rückgabe der Dos; für das letzte
spricht die Aufnahme in diesen Titel. Die Stelle sagt dann wie-
derum nur, daß bei der Klage auf Rückgabe die Hingabe bewiesen
werden müsse, nicht daß zu diesem Beweis das Empfangsbekennt-
niß nicht benutzt werden dürfe.
5) Nov. 18. cap. 8 u. nov. 100. Die diesen Gesetzen zu
Grunde liegende Annahme, daß die Erception dem Kläger die Be-
weislast zuwende und dieser Beweis dem Gläubiger sehr lästig
werden könne, ist richtig, auch wenn man dem Empfangsbekennt-
niß (über die Dos) einfache Beweiskraft zugesteht.
Alle diese Stellen stehen daher der obigen Entwickelung nicht
entscheidend entgegen. Positiv für dieselben sprechen andrerseits:
1) L. 1 Cod. de cond. ob turp. caus. und L. 2 Cod. h. t.
(beide von Antoninus Caracalla), beide unzweifelhaft davon aus-
gehend, daß der Aussteller der Bescheinigung den Einwand: nul-
lam (oder minorem) pecuniam se accepisse (gegenbeweislich) dar-
zuthun habe, daher mit der herrschenden Ansicht schlechthin unver-
einbar, so zwar, daß Gneist sie nur historisch, als der Zeit vor
Einführung des Beweisbeneficiums angehörend, erklärt; wenn man
sich dabei auch bezüglich der L. 1 cit. beruhigen möchte, so ist dieß
doch nicht möglich in Ansehung der L. 2 cit., ohne „der Leicht-
fertigkeit der Compilatoren allzuviel zuzutrauen."
2) L. 14 Cod. de solut. (Dioclet.) Mit dem Ausspruch
dieser Constitution, welche die Beweiskraft der Empfangsbekenntniffe
sehr scharf betont, „ist eine Lehre, wornach Quittungen längere Zeit
beweisunkräftig gewesen wären, völlig unvereinbar." Und wie
hätte wohl
3) in L. 11 Cod. qui pot. Kaiser Leo die Kraft der Urkun-
den, und unter ihnen der Darlehnsurkunden, so allgemein aner-
kennen mögen, wenn diese fünf Jahre lang nichts bewiesen hätten?
Jndirect ferner sprechen gegen die bestrittene Wirksamkeit der
exc. n. n. p.:
1) L. un. Theod. cod. si certum pet.; diese nöthigte den
Inhaber eines Schuldscheins, nach dem Tode des Ausstellers bin-
nen zwei Jahren die Urkunde zu produciren und Klage zu erheben,
also möglicherweise innerhab fünf Jahren nach deren Ausstellung;

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer