Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Zur neuesten civilistischen Literatur. 41
Verkehrs gedacht werden kann. Aber die später angenommene
Befristung scheint nur für die Fälle eingeführt zu seyn, wo die
Realleistung mit einer Eigenthumsübertragung (nicht bloß von Geld,
pecunia im engem Sinn) verbunden war, also für die Fälle des
creditum im engem Sinn, aber nicht bloß für das Darlehn.
Bescheinigungen über liberatorische Zahlungen aber haben die näm-
liche zweideutige Natur wie DarlehnSscheine; auch bei ihnen war
anticipirte Ausstellung gleichfalls denkbar und konnte gleiche Fol-
gen haben. Die Anwendung der exceptio n. n. p. aber auf
den römischen formellen Quittungsact, die Acceptilatio, war, so-
lange der Formularproceß bestand, eine processualische Unmöglichkeit;
nur eine condictio ob causam non secutam war hier möglich.
Die Befristung jedoch fand auf diese condictio wahrscheinlich gleiche
Anwendung, und „mit Aufhebung des FormularproeesseS beseitig-
ten sich auch die processualischen Gründe, welche die Anfechtung
der Acceptilatio auf eine selbständige Klage beschränkten," indem
die Vorschützung der Acceptilatio selbst zu einer Einrede im heuti-
gen Sinn sich gestaltete und deren Anfechtung nunmehr auch durch
replica n. n p. zugelaffen werden mußte. Dann aber war der
Uebergang von Acceptilationsscheinen zu einfachen Quittungen noch
weit leichter gegeben, als der von Stipulationsurkunden zu einfa-
chen Schuldscheinen, da auch jene schon die Empfangsbescheinigung,
also die causa, formell in sich trugen; und so ist die Uebertragung
der Erception auf Quittungen ohne Zweifel schon vor Justinian
geschehen, nicht durch diesen erst eingeführt worden, was nach Ju-
stinians Ausdrucksweise in L. 14 Cod. b. t. durchaus unwahr-
scheinlich ist. Alsdann aber mußte die Rechtsconsequenz dahin
führen, auch die Anfechtung eines Empfangsbekenntnisses über eine
Leistung aus gegenseitigem Eontract, als eines anticipirten, für
den Zweck der exc. non impleti contractus, „nur nach den Re-
geln der exc. n. n. p. zuzulassen, d. h. diese Anfechtung mit Ab-
lauf des multum temporis auszuschließen" (S. 319).
Justinian nun hatte (so fährt §. XU. fort) die verständige
Tendenz den Urkundenbeweis zu kräftigen, und diese bethätigte er
auch in fraglicher Beziehung. Sogar sich dem Gedanken zunei-
gend, die Einrede gegen ein Empfangsbekenntniß ganz abzuschneiden,
zog er eS doch vor, dieselbe nur in gewissen Fällen auszuschließen,
(für Schuldscheine über ein Depositum, für Quittungen über öffent-

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