Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

440

Kurze Anzeigen.

der Mitte des 15. Jahrhunderts die Prälaten als ein weiterer
Stand hinzutraten, während sie früher, auf ihr Verhältniß zur
Kirche mehr Gewicht legend als auf ihr Verhältniß zum Lande,
an den ständischen Angelegenheiten gar keinen, oder doch keinen
selbständigen Antheil genommen hatten. Ihre Betheiligung ist in-
dessen nur eine vorübergehende, indem die auch in Mecklenburg
durchgeführte Reformation ihnen bald den Grund unter den Füßen
wegzieht; der Landtag von 1549 ist der letzte der von den Prä-
laten besucht wird.
Die hiernach bereits vordem gegebene Einheit der Stände
des Gesammtlandes fand aber ihren formellen Ausdruck in der
Union von 1523. Wohl nicht ohne Zuthun H. Heinrichs war
diese zunächst hervorgerufen worden durch das einseitige Dringen
H. Albrechts auf Landestheilung; sie schuf aber zugleich für die
Stände ein festeres Band, und in einem niedergesetzten Ausschüsse
überdieß ein kräftiges Organ für deren Wirksamkeit, und wiederholt
wird darum von der Landschaft behufs gemeinsamer Vertheidigung
gegen landesherrliche Anforderungen auf dieselbe zurückgegriffen. Neue
Theilungsprojecte, dießmal von Herzog Ulrich gegen H. Johann
Albrecht mit allem Ungestüm verfochten, führten endlich zu einer
förmlichen Wiederherstellung des Unionsausschusses (1554). Auch
dießmal wurde durch die Stände die wirkliche Theilung des Landes
verhindert, dagegen aber auch die vollständige Uebernahme der fürst-
lichen Schulden verwilligt; ein eigener Ausschuß wurde mit der Er-
# Hebung und Verwendung einer behufs ihrer Tilgung bewilligten reich-
lichen Steuer beauftragt. Das langsame Fortschreiten des Tilgungs-
geschäftes und das stete Anwachsen neuer Schulden zwang zu fortwäh-
render Erneuerung dieses letzteren Ausschusses, in welchem schon früh
jener erstere aufgegangen zu seyn' scheint; aus ihm bildete sich im
17. Jahrhundert der sog. engere Ausschuß heraus. AlS ein weiteres
Organ der Stände erscheinen sodann noch die Landräthe, welche,
anfänglich die Vermittler zwischen Landesherrschaft und Ständen,
von der ersteren allmählich auf die Seite geschoben werden wollen
und eben darum in ilMer nähere Beziehungen zu den letzteren
treten, und schließlich, vom Landesherrn auf Vorschlag der Stände
aus deren Mitte ernannt, geradezu in den landständischen Aus-
schuß eintreten; ferner die gelehrten Fürsprecher der Stände, welche
seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Vorkommen, und aus

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer