Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

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Kurze Anzeigen-

Pfarrer in Gegenwart zweier Zeugen mit einer Frau Weber heim-
lich getraut. Er war von dem Erzbischof von Bordeaux dazu em-
pfohlen worden, und die Abneigung gegen die in Frankreich be-
stehende Civilform der Eingehung der Ehe wurde als Grund dieser
Handlungsweise angegeben. Nach dem Tode desselben wurde ge-
gen die Gültigkeit dieser Ehe von den Erben Einsprache erhoben.
Im Interesse derselben erstattete der berühmte Jurist ein
Gutachten, welches die Frage der heimlichen Ehe (matrimonium
elanllestinum, zu unterscheiden von dem matrimonium se-
cretum, das die nothwendigen Formen beobachtet) rechtshistorisch
beleuchtet. Wir theilen die Resultate der allgemeinen Unter-
suchung, die auch außer Frankreich von Interesse sind, in kurzem
Auszuge mit.
Die Gesetzgebung über die Ehe blieb im römischen Reich auch
nach der Bekehrung Constantins von der Staatsgewalt geordnet;
die Kirche beschränkte sich darauf, dem weltlichen Gesetzgeber die
Anerkennung der neuen Ideen zu empfehlen. Die bürgerliche
Form des Ehevertrags erhielt sich. Erft während des spätem
Mittelalters, im Ilten und 12ten Jahrhundert, bemächtigte sich
die Kirche der ehelichen Gesetzgebung und allmählig verdrängte die
Rücksicht auf die religiöse Bedeutung der Ehe als Sacrament die
Idee des bürgerlichen Vertrags. Die Kirche legte zwar auf die
Oeffentlichkeit der Form einen Werth, die heimliche Ehe wurde
für unerlaubt und bußwürdig erklärt, aber trotzdem ihre Gültig-
keit von den Canonisten aufrecht erhalten. Seit dem l6ten Jahr-
hundert wagten es die französischen Könige wieder, anfangs
zwar nur schüchtern, Verordnungen über die Ehe zu erlassen.
Ein Edict Heinrichs II von 1556 bedroht die Personen, die sich
heimlich verheirathen; mit der Enterbung ihrer Eltern, und erklärt
die Rechtsvortheile, welche die Gesetze oder der Vertrag mit der
Ehe verbinden, in diesem Fall für verwirkt. Damals schon sprach
Pasquier den Wunsch aus, der König möchte weiter gehen und
die heimlichen Ehen der Familiensöhne für nichtig erklären. Auch
Spanien litt wie Frankreich an diesem Uebel, und die Siete Par-
tidas Alphons des Weisen von 1258 bedrohte den Priester, der
bei einer heimlichen Ehe mitgewirkt, und die Ehegatten mit ern-
sten Strafen; strenger noch sprach sich das castilische Gesetz, der
Fuero feal von 1260 dagegen auö. Die Gesetze von Toro unter

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