Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

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Mecklenburg war der Sohn eines Gutsbesitzers in Mecklenburg.
Sein Vater verkaufte indessen 1785 seine dortige Besitzung, und die
Familie zerstreute sich in mehreren Staaten. Carl Friedrich von
M. insbesondere trat 1799 in preußische Militärdienste, aus denen
er im Jahre 1810 die Entlassung erhielt, mit der schon vorher
erwirkten Erlaubniß im Auslande den Charakter als Capitän zu
führen. Von 1810 bis 1818 scheint sich der Erblasser größten-
theils in Berlin aufgehalten zu haben; seit 1818 bis zu seinem
Tode hatte er aber seinen regelmäßigen Aufenthalt in Paris,
wo er vollständig häuslich eingerichtet war, und wo er ins-
besondere auch die Personal- und Mobiliarsteuern entrichtete.
Bei seinem Tode hinterließ er ein beträchtliches Vermögen,
das er sich in Paris durch Theilnahme an großen Aetienunterneh-
mungen und durch sonstige glückliche Speculationen erworben hatte.
Der Nachlaß bestand vorwiegend aus baarem Gelde und aus
Obligationen und Werthpapieren verschiedener Art, dann aber auch
aus Immobilien in Belgien und Pommern. Beim Mangel einer letzt-
willigen Verfügung entstand vor allem die Frage, nach welchen Gesetzen
die Jntestaterbfolge in das Vermögen des von M. zu beurtheilen sey,
namentlich ob die deßfallstgen Bestimmungen des Code civil. (Art 742),
oder die mecklenburgischen Gesetze, oder welche sonst zur Anwendung
kommen sollen? Im ersten Falle ist die Großnichte des Erblassers
mit zur Succession gerufen, im anderen Falle ausgeschlossen.
Reyscher führt nun in dem vorliegenden Rechtsgutachten den
Satz durch, daß die Erbfolge in den Nachlaß des M. nach dem
französischen Rechte stattzufinden habe, daß also die Großnichte
Anna v. R. an der Erbschaft theilnehme, — und wir müssen
seiner Ausführung vollkommen beitreten. Ihre Hauptstütze hat
dieselbe darin, daß der Defunct zur Zeit seines Todes sein Do-
micil in Frankreich hatte, und daß demnach sowohl nach deutschem
als französischem Recht (s. Art. 10 des Code civil.) die Erbschaft
nach den Gesetzen Frankreichs deferirt worden sey. — Neben der
Frage über das materielle Recht, das im gegebenen Falle zu ent-
scheiden hat, ist indessen auch die gerichtliche Competenz bestritten.
Während das französische Gericht erster Instanz die Zuständigkeit für
sich in Anspruch nahm, hat der Appellbof dieselbe den französischen
Gerichten abgesprochen. R. unterwirft das Erkenntniß des letzteren

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