Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Kurze Anzeigen.

423

durch die Wissenschaft zur Darstellung der gemeinen Grundsätze ge-
langt. Nichts ist daher wohl geeigneter, die Wissenschaft des ge-
meinen RechtS der Lösung ihrer Aufgabe näher zu führen als die
wissenschaftliche Bearbeitung der einzelnen Particularrechte selbst.
Zwischen gemeinem und particularem Recht entsteht auf diese Weise
die fruchtbarste Wechselwirkung. Das kurhesstsche Recht von Roth
und Maibom füllt nun eine wesentliche Lücke in der Darstellung
der deutschen Particularrechte aus, und schon darum wird ihm die
Beachtung auch in weiteren Kreisen nicht fehlen. Aber noch ein
ganz anderes Verdienst hat in uniern Augen dieß gemeinschaftliche
Werk. Wir möchten es entschieden als das Muster für die Be-
arbeitung eines partikularen Rechtes hinstellen. Die Darstellung
geht stets von der Grundlage des gemeinen Rechts aus, sie setzt
diese Grundlagen als bekannt voraus und vermeidet so den Fehler
der meisten Schriftsteller über particulare Rechtsmaterien, welche
den Werth ihrer Werke dadurch vermindern, daß sie uns statt der
partikularen Rechtssätze ihre Ansichten über gemeines Recht näher
darzulegen tuchen. Die Vermeidung dieses Fehlers zeugt von einer
vollkommenen Beherrschung des Stoffs auf Seiten der Heraus-
geber. Und zwar ist es immer der neueste Stand der gemeinen
deutschen Rechtswissenschaft, der die Grundlage der Dastellung bildet;
auch hierin liegt ein nicht hoch genug zu schätzender Vorzug.
Denn man fragt sich, was alle Fortschritte der deutschen Rechts-
wistenschaft nützen, wenn sie unvermittelt mit dem Rechte der
Einzelstaaten erst nach Jahren in die Prariö dringen.
Das kurhessische Recht ist nun auch nur in seiner äußeren
Erscheinung ein particulares Recht. Die wenigsten Rechtsinstitute
sind in Kurhessen durch besondere Bestimmungen ausgebildet, und
die Praris ist weit häustger genöthigt gemeinrechtliche Sätze als
particulare anzuwenden. Der Gerichtsgebrauch ist es auch vor-
zugsweise, auf welchen die Darstellung im vorliegenden Werke als
auf die Hauptquelle angewiesen war Die Herausgeber haben zu
zeigen verstanden, was sich durch eine kritische Benutzung des Ge-
richtsgebrauchs eines bestimmten Landes in seiner ganzen Continui-
tät leisten läßt, im Gegensatz zur Anführung herausgenffener Ur-
theile ohne Motive. Aus der Darstellung der Lehren von der
Todeserklärung, von der Ehrenschmälerung, von den Standesver-
hältnissen und über die juristischen Personell wird die Wissenschaft
Kritischelleberschau.lv.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer