Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

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Zur neuesten civilistischen Literatur.

„Ist die dargestellte Lehre richtig: so möchte damit von neuem
ein Beleg gegeben seyn, wie das römische Recht auch in manchen
bisher weniger beachteten Beziehungen für die heutigen Verhält-
nisse Bedeutung gewinnen kann; wie dasselbe jener Via Appia
gleicht, die in ihren unerschütterlichen Fundamenten noch immer
die Grundlage abzugeben im Stande ist, auf welchen das lebende
Geschlecht sicher und bequem seine Wege wandeln mag, wenn nur
der Schutt der Jahrhunderte hinweggeräumt wird."
Aber noch versucht es der Verf. in einem Anhänge einen
Schutt von Mißverständniß gründlich wegzuräumen, welcher sich,
wie er glaubt, über eine im Vorhergehenden gelegentlich berührte
Lehre, über die Lehre von der exceptio non numeratae pecuniae,
hingelagert hat; durch 18 §§. sucht er ihn zu bewältigen.
Wie getheilt die Meinungen über den bezeichneten Rechts-
behelf sind, legt der Verf. nach einem Gutachten des O.A.-Gerichts
in Cassel dar. Allgemein aber wird angenommen, daß zufolge der
exceptio n. n. p. gewisse Urkunden binnen bestimmter Frist „nichts
beweisen." Diese Thesis ist es, die der Verf. zu stürzen versucht.
Er stellt sich statt aller andern Gneist als Gegner gegenüber, da
dieser (in seiner bekannten Schrift über die formellen Contracte)
den Zusammenhang der genannten Einrede mit der Stipulation
und deren Anfechtung erkannt und deren Bedeutung ausführlich
aus den Quellen zu entwickeln versucht hat. Gneist nimmt zwei
verschiedene Rechtsbehelfe unter jenem Namen an: den einen als
wahre Erceptio (exc. doli) gegen die Verpflichtungskraft
der Stipulation, an keine Zeitdauer gebunden; den andern (que-
rela non numeratae pecuniae) als ein gegen die Beweiskraft ge-
wisser Urkunden gerichtetes Beweisbenesieium, eingeführt durch eine
Constitution von Caracalla (etwa 215 nach Chr.), anfangs auf
ein Jahr, später auf fünf, zuletzt auf zwei Jahre beschränkt, ur-
sprünglich nur beim Darlehn geltend, erst von Justinian auch auf
Quittungen und (wahrscheinlich von ihm) auch auf Empfangscheine
über eine Dos (jedoch mit anderer Zeitdauer) ausgedehnt. „Un-
bestritten, und nach Lage der Quelle unbestreitbar" sey es, daß
dadurch der Gläubiger genöthigt werde, die Zahlung anderweit zu
beweisen^ ohne sich auf das Empfangbekenntniß in der Urkunde
berufen zu können. Diese auch von andern schon angefochtene
Doppelnatur der exc. n. n. p. wird zunächst (in §. 111.) über-

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