Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

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Wilhelm Eduard Wilda.

der Verfasser bereits in R. Schmid's (1832) und theilweise auch
in Thorpe's Ausgabe (1840) benützen, die Friesischen in des
Freiherrn von Richthofen Ausgabe (1840), die Graugans in der
Arnamagnäanischen (1829); allein weder Schlyter's treffliche
Sammlung schwedischer Gesetze, noch Kolderup-Rosenvinge's Aus-
gabe der dänischen war noch vollständig (jene begonnen 1827,
diese 1821; beide noch nicht abgeschlossen), die norwegischen Ge-
setze mußten, erst in späteren Jahren edirt (1846 — 49), noch
größtentheils in der nichts weniger als preiswürdigen Uebersetzung
von H. PauS benützt werden, und die mehrfach interessante Jarn-
sida lag nicht einmal in Uebersetzung vor, — der Umgestaltungen
welche unsere deutschen Leges durch die Pertz'schen Ausgaben
theils erfahren, theils noch zu erwarten haben, nicht einmal zu ge-
denken. Auch das reichliche Material/ welches die Urkundensamm-
lungen und die Historiker, welches insbesondere die stattlichen Reihen
der altnordischen Sagen bieten, hat Witda keineswegs mit auch
nur erstrebter Vollständigkeit ausgenützt, und schon hiedurch seinen
Nachfolgern ein reiches Feld zur Nachlese hinterlassen. Klar ist
ferner, daß bei dem innigen Zusammenhänge des Strafrechtes mit
allen übrigen Theilen der Rechtsverfassung jede eingehendere Ar-
beit über einzelne andere Gebiete dieser letzteren auch unsere Er-
kemrtniß jenes ersteren fördern, vertiefen, auch wohl theilweise
modificiren muß. Endlich ist auch zuzugestehen, daß in gar man-
chem Punkte Wilda geirrt haben oder nicht tief genug gegangen
seyn mag, wie denn beispielsweise der Abschnitt über das Wergeld
uns keineswegs befriedigt; durch sorgfältige Detailarbeit auf dem
Gebiete der einzelnen Stammrechte wird auch nach dieser Seite
hin gar manches noch berichtigt und weiter ausgeführt werden
können und müssen. Das aber getrauen wir uns trotz aller dieser
Zugeständnisse mit Bestimmtheit zu behaupten, daß im Großen
und Ganzen die von dem Verfasser nachgewiesenen Grundzüge
unseres ältesten Strafrechtes unanfechtbar sich bewähren werden.
Zweifel und Mißtrauen gegen dieselben gehen in der That zumeist von
Leuten aus, welchen die eigenen Studien nicht gestatten, auf Wilda's
rechtsvergleichenden Standpunkt sich zu stellen. Solche Stimmen
haben dann freilich in Fragen wie die vorliegenden gehört zu
werden kein Recht. Was würde man wohl dazu sagen, wenn
ein Sprachforscher, der sich ausschließlich mit dem Althochdeutschen

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