Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

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Wilhelm Eduard Wilda.

nen war, hatte inzwischen Wilda eine wesentliche Veränderung
in seinen äußeren Verhältnissen vorgenommen. Im Mai des
Jahres 1830 hatte er sich verheirathet, und bald darauf war er
nach Halle gezogen um die Advocatie mit der ihm besser zusagen-
den akademischen Laufbahn zu vertauschen. Nicht lange nach
seiner Habilitation, nämlich bereits im August 1831, wurde er
zum außerordentlichen Professor an der bezeichneten Hochschule
ernannt. Gelegentlich seiner Habilitation hatte aber Wilda eine
Abhandlung Oe libertate rornana, qua urbes Germaniae ab
imperatoribus sunt exornatae geschrieben, deren darum hier ge-
dacht werden muß, weil auch in ihr des Verfassers Bekanntschaft
mit den nordischen und angelsächsischen Quellen mir Erfolg zur
Aufhellung dunkler Punkte in der einheimischen Rechtsgeschichte
benützt wird, und weil somit auch diese Gelegenheitsschrift mit
dem eigenthümlichen Gange der Studien Wilda's im Zusammen-
hang steht.
Mit seinen bisher besprochenen Arbeiten stand Wilda, so er-
hebliche Aufklärungen dieselben auch einzelnen Theilen der Rechts-
gefchichte brachten, noch wesentlich auf dem oben geschilderten
Boden seiner Zeit. Auch in ihnen sindet man immer noch eine
bloße Zusammenstellung von Material aus den verschiedensten
Quellenkreisen, und es läßt sich zwar allenfalls der Vorzug einer
ungewöhnlich ausgebreiteten Kenntniß der fremden Rechte dem Ver-
fasser zuerkennen, von einem Fortschritte aber in Bezug auf den
einzunehmenden wissenschaftlichen Standpunkt selbst kann zur Zeit
noch micht die Rebe seyn. Unmittelbar nach der Betretung des
akademischen Lehrstuhles begann aber für Wilda die Vorbereitung
zu einem Werke, welches auch nach der letzteren Seite hin ihm
den Vorrang vor allen seinen Zeitgenossen, seiner Wissenschaft
aber eine neue Stufe ihrer Entwicklung sichern sollte. Bereits im
Sommer 1834 unternahm er im Hinblick auf die beabsichtigte
Arbeit eine Reise nach Dänemark und Schweden, um sich an
Ort und Stelle jene erschöpfende Kenntniß der, freilich dürftigen,
rechtswissenschaftlichen Literatur dieser Lande zu verschaffen,
welche der schwache geistige Verkehr mit denselben ihm nicht zu ge-
wahren vermochte; nach langjährigen mühevollen Anstrengungen
erschien dann endlich im Jahre 1842 das Werk, welches das
Hauptverdienst seines Lebens bilden sollte, das „Strafrecht der

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