Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

374 Jum Säcularfest des Ooäex Maximil. bav. civ. ic.
sind, daß sie nur mehr gleichsam neben den letzteren herlaufen, wie
denn z. B. die Darstellung des ZehentrechtS, der Frohnen und
Scharwerke bei den Servituten untergebracht sind u. s. w.
Die Sprache des Coder ist weder gewählt noch correct:
sie stellt jenes barbarische Gemisch von deutschen und lateinischen
Ausdrücken dar, welches damals nicht bloß in den Schriften der
Juristen gäng und gäbe war. Vergleicht man in Hinsicht auf
Diction und Fassung den Coder mit dem allgemeinen preußischen
Landrechte, so scheinen nicht 38, sondern 100 Jahre zwischen der Re-
daction beider Werke zu liegen, so stark ist in dieser Beziehung der Ab-
stand ; freilich kam den spätem Revisionen des preußischen Landrechts
bereits der Aufschwung der deutschen Sprache und Literatur seit
Lessing zu statten, das Coccejische Projekt steht auch in diesem
Betracht eher noch unter der Linie unseres Coder.
Endlich hat Kreittmayr die Durchführung einer streng legis-
lativen Haltung des Coder nicht selten einer Nebenabsicht zu Liebe
geopfert, welche ihn seinem eigenen Geständniß gemäß bei der Ab-
fassung desselben wie bei der Veröffentlichung der Anmerkungen
geleitet hat. Der Coder sollte zugleich doctrinellen Zwecken die-
nen, er sollte als Compendium des geltenden Rechts eine allge-
meine Brauchbarkeit über Bayern hinaus in Artspruch nehmen,
und die Anmerkungen sollten sich dazu verhalten, wie die Digesten
zu den Institutionen.
Trotz alle dem muß man dem Coder in formeller Beziehung
zwei Vorzüge zugestehen, von solcher Bedeutung, daß sie die ge-
rügten Mängel größtentheils zu überdecken geeignet sind.
Der eine Vorzug ist die richtige Mitte, welche der Coder ein-
zuhalten' weiß zwischen einer kasuistischen Zersplitterung des Stoffs
in welche die Redactoren des preußischen Landrechts durch ihr Be-
streben nach erschövfenderVollftändigkeit der gesetzlichen Normirung
gerathen sind, und hinwiederum einer allzu knappen Oekonomie
und Sparsamkeit in der Aufstellung gesetzlicher Anhaltspunkte, wie
sie sich in vielen Partien des österreichischen Gesetzbuchs findet.
Der Coder gibt dem Richter Details genug, um über alle wichti-
gen Punkte, welche bei der Beurtheilung eines Rechtsverhält-
nisses hervortreten können, einen sichern Anhalt zu finden, zugleich
ist aber auch der auslegenden und combinirenden Thätigkeit des
Richters noch ein hinlänglicher Spielraum eingeräumt.

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