Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

372 Amn Säcularfeft des 6oäex Maximil. bav. civ. ic.
Denn waS zuvörderst die Darstellung des gemeinrechtlichen Ele-
ments betrifft so finden wir Kreittmayr durchaus auf der Höhe
der damaligen Jurisprudenz und im Besitz einer vollständigen
Kenntniß der Praris und Doctrin seines Zeitalters. Der bayerische
Gesetzgeber hat das erste Beispiel einer ausführlichen Darlegung des
gesummten Materials gegeben, aus welchem die Sätze des Gesetz-
buchs hervorgegangen sind. Die Anmerkungen, welche Kreittmayr
zu dem Civilcoder in 4 Bänden veröffentlicht hat — der fünfte
Band erörtert Lehren des öffentlichen Rechts, welche im Gesetzbuch
selbst nicht behandelt find — eröffnen uns einen vollständigen
Blick in die Werkstätte des Gesetzgebers. Wir sehen mit welcher
Gewiffenhaftigkeit und Vollständigkeit die juristische Literatur jener
Periode von den Consilien- und Responsensammlungen bis herunter
zu den akademischen Dissertationen benützt ist. Wir staunen über
die ungemeine Belesenheit ihres Verfassers und sind oft genug
veranlaßt, dem praktischen Geschick unsre Anerkennung zu zollen,
mit welcher er aus der Spreu die brauchbaren Weizenkörner
herauszufinden und in controversen Punkten seine meist gewissen-
haft der communior sententia nachaehende Entscheidung kurz und
bündig zu motiviren versteht. Zwar geht Kreittmayr über die ge-
meinrechtliche Literatur des 18 Jahrhunderts selten oder nicht zu-
rück. Man wird vergebens eine Berücksichtigung der großen Mei-
ster der französischen Schule bei ihm suchen, und in Sachen der
Rechtsgeschichte hat Kreittmayr so ziemlich den Standpunkt der
Glossatoren, welche bekanntlich alles Ernstes den Namen der lex
Falcidia von Falx und den der lex Furia Caninia von canis her-
leiteten. Nichtsdestoweniger konnte Stephan Pütter den Anmer-
kungen mit gutem Fug das Zeugniß geben, daß nicht leicht ein
Werk eristire, in dem sich so vieles Brauchbare beisammensinde;
sie sind in der Thal ein vollständiges Repertorium der praktischen
und thorelischen Literatur des Civilrechts der bezeichneten Periode.
In der Darstellung der deutschrechtlichen Institute hat sodann Kreitt-
mayr das meiste aus dem altern Landrecht vom Jahre 1616 ge-
schöpft, unter Berücksichtigung der Modificatione», welche dessen
Sätze im einzelnen durch Praris und Gewohnheitsrecht etwa er-
litten hatten. Es muß hiebei unserem Kreittmayr im Hinblick
auf die romanisirende Richtung, welche in jener Zeit unter den
gelehrten Juristen entschieden vorherrschte und noch in manchen

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