Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Zur neueste« civilistischen Literatur.

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die eines bloßen Beweismittels, dadurch zu gewinnen wußte, daß
man sie in die Form eines vor dem Richter abgelegten Geständ-
nisses einkleidete und mit der erecutorischen Clausel versah, wie
man dann später die gleiche Erequirbarkeit aus alle öffentlichen und zu-
letzt auch auf Privaturkunden ausdehnte, woraus sich der heutige Ere-
cutivproceß bildete, der ursprünglich damit verknüpfte Gedanke
aber, daß die Urkunde formelle Wahrheit bilde, dem heutigen Recht
fremd geworden und die „unberechtigte" Idee eines „schleunigen
Beweismittels" an die Stelle getreten sey. In §. 65 aber legt
er uns, mit reichhaltigen Litteratur-Nachweisen, dar, wie man seit
den Glossatoren gerungen, eine brauchbare Theorie über die soge-
nannte esutio indiscreta zu gewinnen, wie sich schon frühzeitig
Anklänge der richtigen Lehre vernehmen laffen, und wie man un-
richtige Grundsätze durch mannichfaltige Ausnahmen mit dem Leben
zu versöhnen suchte. „Die neuere Zeit, so heißt es S. 266, hatte
wohl die Kraft, die Schwäche jener Ausnahme im Verhältniß zur
Regel zu erkennen, nicht aber auch den Muth, die Regel selbst
anzugreifen." In der Praxis aber leben jene Ausnahmen mehr
oder weniger fort, und von Cropp'S Abhandlung von der esutio
indiscreta möchte man fast glauben, sie sey nur geschrieben um
schließlich zu zeigen wie die dargestellte Lehre nicht angewendet
werde. Auch in der Abrechnungslehre ist dieser ein Todfeind ent-
standen. Vor allem aber ist beachtenswertst, daß der Handelstand
von jeher auch für andere Schuldurkunden als Wechsel die Lehre
von der esutio indiserets (so wie auch die von der ex«, n. n. p.)
von sich abgewiesen. „Darin aber charakterisirt sich recht eigentlich
das Recht, wie es im Volke lebt. Denn nichts ist irriger als
den Handelstand gleichsam für ein Volk im Volke zu halten, wel-
ches sein ganz besonderes Recht bildete. Vielmehr ist daS Handels-
recht in den meisten Beziehungen unser eigentliches, ich möchte
sagen, potenzirtes Volksrecht, und die Eigentümlichkeiten desselben
dürften vielfach nur darauf beruhen, daß in der starken Strömung des
Handelsverkehrs die künstlichen Bauten keinen Stand halten, mittelst
deren es den Juristen an andern Stellen den natürlichen Lauf
deS nämlichen Rechtstromes abzudämmen gelingt." „Den siegreichen .
Fortschritt deSHandelsrechtS auf dem hier fraglichen Gebiete bezeichnet
aber — der f. 1 der allgemeinen deutschen Wechselordnung."
So der Vers. S. 267., der alsdann nach 1.66 an einigen inter-

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