Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

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Aur «eneste« civilistischen Literatur.

eine solche Anerkennung der Schuld, welche mit der Annahme noch
zurückstehender materieller Begründung unvereinbar ist. „Von da
an tritt die Urkunde ganz in die Reihe der übrigen Schuldurkun-
den ein , d. h. sie bildet einen nur wegen irrthümlicher Voraus-
setzung einer causa praecedens anfechtbaren Verpflichtungsact."
Die gemeine Lehre, nach welcher in der ersten Periode die Urkunde
noch gar nichts beweist, in der zweiten einfacher Gegenbeweis da-
gegen gestattet ist, ergibt heillose Resultate, und steht mit den
Gewohnheiten und dem Rechtsbewußtseyn deS praktischen Lebens
im grellsten Widerspruch, wie der Vf. §. 62 sowohl bezüglich der
Quittungen als der Schuldscheine näher auszuführen sucht.
Auch wenn die Schuldurkunde die ihr zu Grunde liegende
causa nicht angibt, erkennt sie der Vf. §. 63 als abstrakten Ver-
pflichtungsaet an, „welcher so lange bindet, als nicht einredeweise
der Mangel der causa dargelegt wird." DaS ergibt sich „schon
als Consequenz aus der Lehre, daß eine Urkunde mit aus^edrück-
ter causa praecedens nur durch Darlegung des Jrrthums anzufechten
steht; denn sonst müßte ja stets einfacher Gegenbeweis zu deren
Beseitigung genügen, da sie schon durch diesen auf den Standpunkt
der cautio mdisereta versetzt wird" (S. 251 fg.). Die gemeine
Lehre freilich spricht (nach L. 25 §. 4 D. de probat.) dem in-
diskreten Schuldschein die Beweiskraft ab; sie übersieht aber, daß
dieser heutzutage „mehr als ein bloßes Zahlungsversprechen ist, daß er
auf eine vorausgegangene oder wenigstens gleichzeitig erledigte
causa hinweiSt, mag diese bestanden haben, worin sie wolle." Die
Erklärung schuldig zu seyn, trägt die Bescheinigung der erledigten
causa in sich. Dem Anfechtenden liegt es ob, die causa, an
welche dabei gedacht ist, darzulegen, und fodann deren irrthüm-
liche Unterstellung zu erweisen, oder wenigstens, soweit die excep-
tio n. n. p. zulässig, wider deren objektiven Bestand Gegenbeweis
zu führen. Alle Versuche rationeller Begründung der gemeinen
Lehre sind dagegen unhaltbar <S. 252 — 258).
Nachdem der Bf. so seine Theorie über Schuldschein und
Quittung dargelegt, fügt er noch eine Dogmengeschichte bei, in
8. 64 bezüglich deS Schuldscheins, in 8. 65 bezüglich der cautio
indiscreta. Dort deutet er. unter Verweisung auf Briegleb's be-
kannte Geschichte des Erecutivproceffes, kurz an, wie man im
Mittelalter für die Schuldurkunde eine stärkere Bedeutung, als

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