Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

314 Das neuere deutsche Strafproceßrecht.
Richtern besteht. Was aber den Tadel gegen das System der
einfachen Anklagebehörde betrifft, namentlich wie es in Genf und
in der k. sächs. St. P. O. vom 11 Aug. 1855 sich findet, so
kann demselben nicht beigeftimmt werden.
S. 1. Abtheilung dieser Erörterungen S. 204.
Richtig ist dagegen, daß es den neuen deutschen Gesetzen in
Bezug auf die Rechtsmittel gegen die Beschlüsse der
Anklagegerichte (sowie auch dem französischen Rechte) an
einem leitenden Grundsatz fehle (S. 406). Nur vermissen wir
daß der Verfasser diesen leitenden Grundsatz bezeichnete. S. darüber
meine „Rechtsmittel" 11. §§. 95 und 96.
Ebenso muß dem Verfasser beigepflichtet werden, wenn er S.
410 die Abfassung von Anklageschriften seitens der Staats-
Anwälte für überflüssig und unzweckmäßig erklärt. Ein gehörig
abgefaßter Verweisungsbeschluß mit genügenden Entscheidungsgrün-
den macht diese Anklageschriften durchaus entbehrlich. Hätten die
Engländer solche Verweisungsbeschlüsse, ihr praktischer Sinn würde
sich unzweifelhaft gegen die bei uns oft monströs langen Anklage-
schriften sträuben. Nicht bloß die Staatsanwälte vergeuden (frei-
lich durch das Gesetz gezwungen) mit diesen Elaboraten sehr viel
Zeit, sondern die Vorlesung derselben in der Hauptverhandlung
(durch den oft mit schwacher Stimme begabten Protokollführer, so
daß selbst die nahe sitzenden Geschwornen nicht alles oder auch
nur wenig verstehen) verursacht auch in dieser einen häufig sehr
bedeutenden Zeitaufwand Aber auch abgesehen von dieser Zeit-
verschwendung, kann ihre Wirkung eine sehr schädliche werden. Le-
diglich aus den Voruntersuchungsacten geschöpft, verschaffen sie
diesen leicht einen ungebührlichen Einfluß auf die Geschwornen
und erzeugen gegen den Angeklagten eine gefährliche Voreingenom-
menheit, welche dadurch sicherlich nicht paralysirt wird, daß die
Schrift nicht einmal durch den Ankläger, wie es ihr Charakter
und Ursprung mit sich brächte, sondern durch eine unparteiische
Gerichtsperson vorgetragen und dadurch mehr oder weniger mit
dem Nimbus der Authenticität und Unparteilichkeit versehen wird.
Aus diesen Gründen erklären sich auch sowohl französische (H6lie
und Bonneville), als deutsche Juristen (der preuß. Oberstaatsan-
walt Tippelskirch in Goltdammers Archiv II.) gegen die Einrichtung.
Indem wir uns nun zu der Hauptverhandlung wen-

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