Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Das neuere deutsche Strafproceßrecht. 191
beibehalten. Daher liegt die mecklenburgische St. P. O. außer
dem Kreise unserer Betrachtungen. In den 4 freien Städten
herrscht zwar noch das alte Verfahren, allein man arbeitet in
denselben, namentlich in Frankfurt, das schier ein halb Duzend
Entwürfe seit 1848 aufzuweisen hat, doch schon seit längerer Zeit
an der Einführung des Schwurgerichtsprocesses, und hoffentlich
wird man nun doch bald einmal zu einem glücklichen Resultate
gelangen. Ueber Hamburg insbesondere s. jetzt Hudtwalcker
„das hamburgische Strafverfahren und seine Reform." . . . Ham-
burg 1856 (Gegner der Jury). —
Eine zweite in jeder Beziehung bedeutendere Gruppe bilden
diejenigen Staaten und Gesetzgebungen, welche für alle jauch die
schwereren) Criminalfälle ein öffentlich-mündliches, der französischen
Correetionalproeedur ähnliches Verfahren mit Staatsanwaltschaft
durch besondere neuere Strafproeeßordnungen eingeführt haben.
In diese Gruppe gehören namentlich Oesterreich, das König-
reich Sachsen und das Herzogthum Sachsen-Altenburg, an
welche sich die zum deutschen Bunde gehörigen Gebiete des König-
reichs der Niederlande anschließen, indem hier das holländische
ebenfalls öffentlich-mündliche Strafverfahren ohne Jury gilt.
Was die zum deutschen Bunde gehörigen Länder der öster-
reichischen Monarchie betrifft, so gab es zwar in denselben kurze
Zeit Schwurgerichte vermöge der provisorischen St. P. O. v. 17
Januar 1850; an deren Stelle ist aber die für die ganze Mo-
narchie publieirte, das Geschwornengericht nicht kennende St. P. O.
v. 29 Juli 1853 getreten. Im K. Sachsen und in Sachsen-
Altenburg hatte das Geschworneninstitut ebenfalls nur eine sehr
kurze Lebensfrist und zwar nur für politische und Preßdelicte.
Die altenburgische St. P. O. vom 27 Febr. 1854 und die k.
sächsische v. II Aug. 1855 kennen das Institut nicht. E. Brauer
in den „deutschen Schwurgerichtsgesetzen (in ihren Hauptbestim-
mungen übersichtlich zusammengestellt mit kurzem Hinweis auf
fremdes, insbesondere auf französisches und englisches, auch schot-
tisches und nordamerikanisches Recht." Erlangen 1856) macht da-
zu S. 2 Note 3. die Beinerkung: „Einige Beachtung verdient
wohl der Umstand, daß die Staaten, welche zu den beiden be-
zeichneten Gruppen gehören, fast insgesammt solche sind, welche
entweder mit einem größeren nicht deutschen Lande in staat-

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