Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

136 Eduard Laboulaye über die Tafeln von Malaga.
könnte. Die Aedilen sind nicht seine Collegen, und wären sie's,
so wäre die obige Ernennung der Präfecten vollends sinnlos. Am
Schluß dieses Capitels läßt er die Latini von Salpesa sogar Theil
haben an dem civilen Agnationsverhältniß der römischen Bürger.
Fassen wir die Resultate zusammen: die Art der Entdeckung
dieser Tafel schon ist verdächtig, der Styl des Gesetzes ist ungenau,
die Formeln unregelmäßig, die Bestimmungen selbst zum Theil
unerklärlich und allem was wir sonst von römischem Recht wissen,
widersprechend. Wäre das Denkmal ächt, so hätte die spanisch-latinische
Stadt größere Rechte als irgend eine andere italisch-latinische Stadt;
ihr bürgerliches Recht wäre daS der römischen Bürger, ihre Ma-
gistrate wären begünstigter als die der römischen Municipien. Ist
daS denkbar? Und ist es nicht viel wahrscheinlicher daß der
glühende Patriotismus eines neuern Spaniers ein Stadtrecht
für Salpesa erdacht, und durch die Verfertigung der Tafel seiner
Vaterstadt und seinem Vaterland den Ruhm und den Glanz ur-
alter politischer Freiheitsrechte hat zuwenden wollen?
2) Tafel von Malaga.
Die Bronzetafel von Malaga ist von der nämlichen Hand wie die
von Salpesa oder wenigstens aus derselben Zeit, von demselben Styl,
gleichartig und gleichungenau in den Formeln. Der Inhalt dieses
Gesetzes ist ein vollständiges Stadtrecht, und zwar wie man es in
den schönsten Zeiten der Freiheit erwarten könnte. Wir finden
darin Volksversammlungen, Volkswahlen, Curien; und während
in Rom alles stumm ist, sehen wir den Kaiser Domitian zu Ma-
laga die römische Republik in ihrer Jugendzeit neubegründen.
Das ist so ziemlich daS Gegentheil von unsern bisherigen Ansichten.
Spanien hätte uns wieder Freiheiten bewahrt, die dem ganzen
übrigen Reiche fehlten.
Cap. 5 t. Sonderbarer Weise sorgt das Gesetz in einer Zeit
der höchsten Städtefreiheit für den Fall, daß für die städtischen
Aemter sich nicht genug Candidaten finden, und zwar so daß der
Magistrat Candidaten ernennt und diesen hinwieder verstattet
andere zu benennen —eine Einrichtung, wie sie im ganzen Alter-
thum nicht vorkommt.
Cap 52. Bei den Römern wird der Vorsitz in den Wahl-
versammlungen durch Uebereinkunft der Magistrate oder durch das
LooS bestimmt, nicht aber durch das Alter, daS nur den Ehren-

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