Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Ueber angelsächsische Rechtsverhältnisse. 6$
damit ohne Zweifel bei der geehrten Redaction sowohl als bei
manchem Leser dieser Blätter gewaltigen Anstoß gegeben; ein Blick
auf die Litteratur soll indeß, hoffen wir, das eingeschlagene Ver-
fahren rechtfertigen. Wir glaubten einen wesentlichen Standes-
unterschied auf die Selbständigkeit und Unselbständigkeit des Lebens,
auf die Unmittelbarkeit und Mittelbarkeit der Beziehungen zum
Staate gründen, und denselben mit der Unterscheidung von Freien
mit und ohne Grundeigenthum zusammenfallen lassen zu sollen;
genaueres Eingehen in die Voraussetzungen und Wirkungen der
verschiedenen herrschaftlichen Gewalten, sorgfältiges Verfolgen der
verschiedenen Phasen, welche zumal die Landherrschaft im Verlaufe
der Zeiten durchmacht, schien uns zu solchem Ende absolut noth-
wendig. Gerade diesen Fragen hat nun aber die Litteratur bisher
nur in sehr untergeordnetem Maße ihre Aufmerksamkeit zugewendet,
und namentlich auf die Veränderungen, welche in Bezug auf die-
selben in der späteren Zeit eingetreten sind, nicht gehörig geachtet;
so tritt demnach in derselben die für die frühere Zeit so wichtige
Scheidung der freien Grundeigenthümer und der besitzlosen Freien
nicht oder doch nicht genug hervor, oder es wird auch wohl die
erst der späteren Zeit ungehörige Theilung des gesummten Volkes
in Landherren und Landsassen schon in die älteste Zeit hinein-
getragen, und dadurch der Verfassung des angelsächsischen Volkes
von Anfang an der streng aristokratische Charakter ausgeprägt, der
sich doch in der That erst sehr allmählich in derselben entwickelte.
So kennen denn Phillips und Lappenberg, Turuer und
Lingard nur einen einzigen Stand der Gemetnfreien, während
sie den 6. hyndeman dem Dienstadel zuzählen zu sollen glauben; *)
die Fähigkeit Grundeigenthum zu besitzen, wird dabei dem Gemein-
freien eingeräumt, auch bemerkt, daß nicht alle solches besaßen,
und daß viele Freie einen Herrn über sich hatten, der sie ver-
bürgte; 2) nicht beachtet wird dagegen daß gerade der Mangel an
Grundekgenthum es war, der zur Unterwerfung unter einen Herrn
rechtlich nöthigte. Auch von der Gerichtsbarkeit deS Landherrn

*) Phillips, S. 119, Lappenberg, S. 572; Lingard, S. 426—7;
vgl. 407-8; unbestimmter Turner, III, S. 48.
2) I. B. Phillips, S. 105—9 und 134—5; Lappenberg, S. 573
und 586—8; Lingard, S. 409; Turner, III, S. 50.

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