Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Ueber angelsächsische Rechtsverhältnisse. 43
Es wird aber dem Herrn ganz allgemein zur Pflicht gemacht,
dafür zu sorgen, daß omnes qui in pace et terra sua sunt, die
Rechtsordnung gehörig respectiren; 4) in einer Reihe einzelner
Vorschriften wird dieser Grundsatz theils näher bestimmt, theils
auch wohl weiter entwickelt, und zwar wird auch hierbei wieder
sehr vorzugsweise der Diebstahl ins Auge gefaßt. Schon in früher
Zeit hatte man eine Garantie gegen Diebereien in der möglichsten
Beaufsichtigung aller über fahrende Habe und zumal Vieh ab-
geschlossenen Veräußerungsgeschäfte zu finden geglaubt; eine Reihe
von Vorschriften fordert, bei manchen Abweichungen im Einzelnen,
die größte Oeffentlichkeit für solche Geschäfte, damit der Zug von
einem Geweren auf den anderen gesichert und alle Diebshehlerei
unmöglich werde. Nach einem Gesetze soll nun der Abschluß von
Tauschgeschäften die Beiziehung obrigkeitlicher Personen, z. B. des
Landherrn, königlichen Beamten, Pfarrers, voraussetzen; wer
anders tauscht, büßt mit dem wite, und verliert den Tausch-
gegenstand, und zwar an den Landherrn. 2) Wer auswärts Vieh
kauft, muß entweder ehe er zu solchem Ende verreist, oder doch
nach seiner Rückkunft der Nachbarschaft Anzeige machen; unterläßt
er dieß, so verliert er das gekaufte Vieh, das halb an das hund-
red, halb an den Landherrn fällt, selbst wenn er sich über dessen
rechtlichen Erwerb ausweisen kann: kann er auch dieß nicht, so
wird er als Dieb behandelt, und der Landherr ist es, der das
gestohlene Vieh und dessen ceapgyld aufzubewahren hat, bis der
rechte Eigenthümer sich meldet und über seine Ansprüche ausweist.* 2 3)
Ein späteres Gesetz spricht für den Fall, da das ohne Zeugen ge-
kaufte Gut dem Erwerber abvindicirt wird, von einem seinerseits
zu entrichtenden wite, das demjenigen zu gute kommt, „dem
dasselbe gehört,"4) d. h., wie wir sehen werden, je nach Umständen

Stellung des Grundeigeuthümers zu seinen Eingesessenen den Ausdruck
Land Herrschaft brauchen.
*) Eadm. Cul. §. 7.
2) Aedhelst. I. §. 10. Natürlich hat der Landherr, wenn der an-
geblich unbezeugte Tausch oder Kauf nur Dorwand ist, und sich heraus-
stellt, daß das Gut gestohlen war, dieses nur für den rechten Cigen-
thümer aufzubewahren; vgl. Aedhelr. I. §. 3, und die folgende Stelle.
3) Eadg. Suppl. §. 8, 10 und 11.
Cnut. 8. §. 24.

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