Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

474 Kurze Anzeigen.
sträflicher Geschlechtsvertraulichkeit so tief eindringen zu müssen
glaubte" u. s. w.
Hat diese Art von criminalistischem Euphemismus ihr Seiten-
stück an dem Tiefsinn des Prinzen Zerbino, so erweckten die ein-
gestreuten historischen Rückblicke in dem Ref. unwillkürlich die
Erinnerung an die ergötzlichen Proben, welche in der Biographie
von A. Heise aus den rechtsgeschichtlichen Vorträgen des alten
Gambsjäger mitgetheilt werden. So wenn wir u. d. W. Aber-
glauben folgendes lesen: „Im Alterthum sowohl, namentlich
bei den Römern, als im Mittelalter und bis in das vorige Jahr-
hundert Herab, richtete die Gesetzgebung ihr Augenmerk zum Schutz
der herrschenden Religion insbesondere auch auf die Verbreitung (?)
von Aberglauben unter dem Volk; darunter ist jedoch nur der
Aberglauben verstanden, welcher kein Auswuchs aus der Kirchen-
lehre (!) selbst wäre, wie solcher überall und zu jeder Zeit häufig
vorkam, sondern ein aus fanatischen (!) Sagen und Meinungen
abgeleiteter Glaube ohne Halt in der Schrift oder in geheiligten
Traditionen." — U. d. W. Anzeigung erfahren wir, „daß eS
im alten deutschen Recht unzulässig war, auf Anzeigungen eine
Verurtheilung zu bauen, sondern es waren hiezu directe Beweis-
mittel, nämlich Geständnisse oder die Aussage von zwei
Zeugen erforderlich!" — Zur Zeit des Erscheinens der Bamber-
gensis (S. 77) „war der deutsche Strafproceß durch den Einfluß
der verschiedenartigsten Mächte und Bedürfnisse so entartet und
verwildert, daß bei allen redlich Gesinnten das Verlangen einer
neuen gesetzlichen Ordnung nur entschiedener hervortrat" it. s. w.
Diese Proben mögen von dem Berufe des Verf. zu seinem
Unternehmen ausreichendes Zeugniß geben. Es ist schwer ab-
zusehen, was den Praktikern mit den drei ersten Heften gedient
seyn soll, wenn man nicht etwa dieselbe Meinung von ihnen hegt,
welche Ref. einen bequemen Professor, der nicht selten unvorbereitet
auf den Katheder kam, einmal hinsichtlich der Studenten aus-
sprechen hörte, „man müsse nur zureden, den jungen Leuten sey
alles nützlich."
Es gereicht dem Referenten zum Vergnügen, diesem ungün-
stigen Urtheile über die erste (kleinere) Hälfte des Werkes das Lob der
zweiten (größeren) anfügen zu können. Hier haben wir einen
klaren Plan und eine im ganzen gelungene Durchführung des-

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