Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

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Kurze Anzeigen.

Theophilus vielfach gekränkte Ehre. Wie gerne wollen wir diesem
Abbitte thun, und unser logisches, auch einiges juristische Be-
denken aufopfern, wenn uns Verfasser durch seine Stellen nur
recht gründlich überzeugt hat. Wo nicht, so bekommt es wieder
Wahrscheinlichkeit, daß die Wechslerklage verallgemeinert werden
mußte, um die Schroffheit der exceptio doli zu beseitigen, und
die Phrase ipso jure compensari möchte ohnehin etwas mehr
sagen wollen als jure compensari (t'm Gegensatz zu arbitrio
judicis).
Indessen, was immer für einen Gegensatz der Verfasser dem
„ipso jure compensari" gegenüber denkt: das wichtigste und be-
friedigendste ist, daß er darin keine von selbst eintretende Auf-
hebung der sich deckenden Gegenforderungen sieht, auch keine Com-
pensation, die dann von selbst eingetreten ist, wenn der Gegner
compensirt haben will. Es ist dieß einer der wenigen Punkte,
in dem Verfasser auf unsere Seite tritt. Da aber einige sichere
Erscheinungen im Compensationsrechte ganz so aussehen, als ob
Forderung'und Gegenforderung von selbst getilgt würden (Auf-
hören des Zinslaufes, condictio indebiti wenn gezahlt statt com-
pensirt ist): wie reimt dieß Verfasser mit seinen Grundsätzen
zusammen? Auf diese Frage konnte Verfasser nicht behutsam genug
antworten, wiewohl wir, wenn endlich, einmal ein sicherer nnd
schlichter Ausdruck für dieses Verhältniß gefunden wäre, vielleicht
auch für das prometheische ipso jure compensari ein bannendes
Wort fänden. Ob der Verfasser jene Behutsamkeit angewendet,
lassen wir für jetzt dahingestellt; die Auskunft aber, die er auf
unsere Frage gibt, findet sich am bündigsten in §. 30: „Jede
peremterische Einrede — und eine solche sey die Compensations-
einrede — macht die Forderung, der sie gegenübertritt, von diesem
Augenblick an unwirksam, falls sich der Einredeberechtigte ihrer
bedient." (Jede peremtorische Einrede nur falls sich der Einrede-
berechtigte ihrer bedient?) Aber fällt hiemit der Verfasser nicht
in die Rolle derer zurück, welche sagen, daß die Compensations-
einrede dann von selbst eintrete, wenn der Schuldner compensirt
haben wolle? Und wenn er dann in praktischer Anwendung
seines Satzes z. B. in dem Falle, wo A dem B, dann B dem
A, unb dann wieder A dem B schuldig wird, meint, daß A nur
gegen die erste Forderung, deö B compensationsberechtigt sey: ist

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