Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Ueber angelsächsische Rechtsverhältnisse.

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Hintersaßen als auf die freie Hausdienerschaft beziehen. *) Der
Grund, weßhalb wir über diese Seite des Verhältnisses so wenig
erfahren, ist wohl lediglich darin zu suchen, daß dieselbe von früh
an durch die ähnliche, aber dennoch verschiedene Geltung der
Landherrschaft verdunkelt oder selbst verdrängt wurde. Mit
dieser letzteren hat es aber folgende Bewandtniß.* 2)
Wie bei anderen germanischen Stämmen, macht sich auch bei
den Angelsachsen eine eigenthümliche Geschlossenheit des Grund-
eigenthumö geltend. So wird die Uebersiedelung aus dem Lande
eines Herrn in das Land eines andern als eine belangreiche Sache
betrachtet, und den Verwandten der Braut, welche der Bräutigam
„aus dem Lande in das Land eines andern Thegen" führen will,
aufgetragen, für genügende Sicherstellung ihrer Interessen zu
sorgen;3) verfolgt der Bestohlene die Spur eines Diebstahls in
das Land eines Herrn, ohne daß dieser sie wieder hinaus zu ver-
folgen vermöchte, so mag er sofort gegen jeden Beliebigen von den
innerhalb des Landes Gesessenen die Diebstahlsklage stellen, ohne
daß er dabei den sonst üblichen Voreid zu schwören hätte, 4 5) u. dgl.
Dabei mag dem Grundeigenthum ein besonderer Frieden zugekommen
seyn, dessen Verletzung als ein Bruch des Rechtes des Besitzers
angesehen wurde, und demnach mit dessen Buße gesühnt werden
mußte; zunächst freilich ist nur von dem Frieden die Rede, dessen
eines Jeden Haus genießt; oie wiederholte Erwähnung aber
des Friedens, welcher selbst dem Verbrecher zu Theil wird, wenn

*) Namentlich könnte die wichtige Stelle, In. §. 22, eben so gut als
auf den Hausdiener, auf den Hintersaßen sich beziehen, da später
wenigstens der Zenest als solcher erscheint.
2) Ich bemerke, daß gegenwärtiger Aufsatz bereits vor dem Er-
scheinen von meines Vaters, G. L. von Maurer, Einleitung zur Ge-
schichte der Mark-, Hof-, Dorf- und Stadtverfassung und der öffentlichen
Gewalt, geschrieben und der geehrten Redaction eingehändigt' wurde.
Derselbe soll auch jetzt unverändert mitgetheilt werden, weil es nicht
ohne Interesse scheint, zu sehen, wie von ganz verschiedenen Gesichts-
punkten aus zu im Wesentlichen gleichartigen Ergebnissen zu gelangen ist.
b) Eadm. Betroth, §. 7.
4) Aedhelst. IV. §. 2.
5) I. B. Aedhelb. §. 27 und 29; Aelfr. §. 39 und 40; In. §. 6.

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