Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

442 Der Begriff der Justiz- und Verwaltungssachen.
andern Gebiet zuweisen, resp. vindiciren zu können, je nachdem sie
dem dabei beabsichtigten Zweck nach sich zum einen oder anderen
eignen. Es scheint uns dieses Verfahren richtiger als das von Z.,
der eine objektive Verschiedenheit zwischen Justiz- und Verwaltungs-
sachen behauptet, indem er den Satz aufstellt, Justiz- oder Rechts-
sachen seyen jene, welche nach rechtlichen Grundsätzen be-
handelt und entschieden werden müssen, Verwaltungssachen jene,
„welche nach den Forderungen dck faktischen Nothwendigkeit, nach
den Principien des Nutzens oder der Zweckmäßigkeit zu behandeln
seyen." Darin scheint uns kein objektiver Unterschied zu liegen,
und eS ist wohl damit überhaupt nichts gewonnen, was den Streit
über die Natur der Sachen zu lösen vermöchte. Die Frage, was
ist Justiz- und was ist Verwaltungssache, wird nur in eine andere
Fassung gebracht, und lautet jetzt: „Wann ist eine Sache nach
Rechts-, wann nach Zweckmäßigkeitsgründen zu behandeln?" Ob
nun der Abschnitt aus Z.'s Werk diese Frage in genügender Weise
beantworte, wird sich später ergeben.
Eine irgend ausreichende positive Verfügung über die vorliegende
Frage in in den Quellen unseres gemeinen Rechts nicht zu finden,
wie dieses auch in den unter Nr. 2 und 3 genannten Abhandlungen
ausdrücklich bemerkt ist. Die deutschen Partikularrechte haben sich
zwar bei einzelnen Materien über die Frage erklärt, ob dieselbe als
Justiz- oder als Verwaltungssache anzusehen und zu behandeln sey.
Allein dieselben find weder unter sich so übereinstimmend, daß sich
daraus zur Zeit eine allgemeine deutsche Rechtsansicht ableiten
ließe, noch auch an sich so erschöpfend, daß sie auch nur für
den einzelnen Staat ausreichten und die gemeinrechtliche Theorie
überflüssig machten.

§. 2.
Die unter Rr. 1 genannte Abhandlung, eine der ErstlingS-
arbeiten eines jungen Gelehrten, beschäftigt sich zwar hauptsächlich
mit den s. g.administrativ-eontentiösen Gegenständen, d. i. mit Sachen,
bei denen die Ansichten über ihre Behandlung und Beurtheilung
am weitesten auseinandergehen. Allein um zu einem sicheren Er-
gebnisse zu gelangen, mußte natürlich der Verfasser sich über den
Grundsatz auSsprrchen, nach welchem daS Gebiet der Justiz und

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer