Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Heber angelsächsische Rechtsverhältnisse. 437
bunden, und wenn die ältere Verfassung für den Krieg nur vor-
übergehend einen Herzog wählen ließ, so handelt eS sich dabei eben
nur um die Nothwendigkeit eines vorübergehenden Oberbefehls-
habers ; unter dem Herzog führte jeder Bezirksvorsteher feine
Mannschaft, und wenn im Königthume auch für den Frieden eine
gemeinsame oberste Gewalt bestand, so verstand sich von selbst,
daß dieser auch im Kriege der Oberbefehl zukam; wir wissen so-
gar, daß Völker, die, ne longa pace eorum resolveretur forti-
tudo , einen Heerzug beginnen wollen, sich einen gemeinsamen
König erst wählen, weil die Regierung eines solchen energischere
Kriegführung möglich macht *). Ebenso ist die priesterliche Gewalt
mit der des Königs wie mit der eines jeden Bezirksbeamten
wesentlich verbunden; eine eigene Priesterschaft, und allenfalls
auch ein eigener Oberpriester als deren Haupt mochte daneben
allerdings Vorkommens, aber sie hat den König nur in seiner
priesterlichen Thätigkeit durch größere Fertigkeit im Ritual und in
allem Technischen zu unterstützen; der König oder Jarl ist eS, der
noch nach den späteren nordischen Berichten bei den großen Opfer-
festen am Ding den Hochsitz einnimmt, den ersten Becher weiht
und zuerst daS Opferfleisch kostet. Ebensowenig als wir eine Be-
schränkung der königlichen Gewalt auf Priesterthum und Richter-
amt, oder eine Vertheilung der in derselben liegenden einzelnen
Bestandtheile unter verschiedene Häuser zugeben können, vermögen
wir unS aber auch mit der einseitigen Begründung deS König-
thums auf eine religiöse Basis zu befreunden, wie solche Kemble
neuerdings wiederum versucht hat. Wir bestreiten natürlich nicht,
daß ein religiöses und priesterlicheS Element neben dem richter-
lichen, administrativen und militärischen im Königthume gegeben
war, und geben zu, daß diese verschiedenen Elemente wie in der
ganzen Verfassung, so auch im Königthume sich ursprünglich weit
inniger durchdrangen, als dieß später der Fall war; dieß berech-

*) Jordanes, de red. (-et. c. 29.
2) So stand neben dem burgundischen Könige, der den Titel Hen-
dinos (Rindins, Anführer) führte, ein Oberpriester, welcher 8inistus
(sinista, der Aelteste) hieß, Ammian. Marcellin. XXVIII c. 5 §. 14;
so hat der angelsächsische König Aedvy einen Oberpriester Namens
Coifi; Beda II. c. 13.
Kritisch« Ueberschau. II.

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