Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

lieber angelsächsische Rechtsverhältnisse. 427
ganz wie die jüngere Edda den Volkskönig als konungr konunga,
König über die Könige, bezeichnet. Später wird dann freilich
die Gewalt der eorlas zu einer bloßen Amtsgewalt, und auf
königliche Ernennung zurückgeführt) der König ernennt auch wohl
eorlas aus anderen als den altadeligen Häusern, so daß der Aus-
druck, der früher den Geburtsstand bezeichnet hatte, dem nur zu-
gleich gewiffe Regierungsrechte zugekommen waren, jetzt den In-
haber solcher Regierungsrechte bezeichnet, gleichviel welches dessen
Geburtsstand sey. Jetzt mag denn auch größerer Grundbesitz zur
Voraussetzung des Standes werden, während andererseits die ur-
sprüngliche Standesgleichheit mit den königlichen Häusern sich noch
in der Gleichheit des Wergeldes für den eorl und den ädheling
im späteren Sinn fühlbar macht; die später noch wiederkehrende
Gegenüberstellung von eorl und eeorl als den zwei großen Elasten
des Freienstandes darf dagegen nur als eine durch den Reim ge-
haltene Reminiöcenz aus früheren Zeiten betrachtet werden. — Es
ist nicht ohne Interesse, mit diesem Gang der Dinge in England
die Geschichte der nordischen jarlar zu vergleichen. Im Rigsmal
wird der jarl, wo es sich um erschöpfende Aufzählung der Stände
handelt, dem Karl und dem thräll entgegengesetzt, unter seinen
Söhnen aber Adhal und Konr ungr genannt; offenbar sind da-
mit die jarlar als die adeligen Geschlechter bezeichnet, aus deren
Mitte die Könige hervorgehen. Die jüngere Edda nimmt die
jarlar mit den skattkonungar gleichbedeutend, und spricht von
ihnen im Zusammenhang mit dem Kaiser und den Volkskönigen,
denen sie in gewisser Beziehung sich anreihen; sie erscheinen dabei
dem eigentlichen König untergeordnet, aber als dessen Vertreter
über größere Landschaften gesetzt,* 2) und dieß ist in der That die
Stellung, in welcher sich die jarlar nach den geschichtlichen Quellen
befinden. Schon zu König Harald HarfagrS Zeit erniedrigte sich
König Urollaugr zum Jarl, indem er sich diesem unterwarf; er
behielt aber als solcher Naumdälafylki, das er früher als selbst-
ständiges Reich beherrscht hatte;3) überhaupt setzte König Harald

4) Skaldskaparm. c. 53.
2) Skaldskaparm. c. 53 und 64.
*) Heimskr. Haralds 8. harf. c. 8.

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