Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Ueber angelsächsische Rechtsverhältnisse. 425
gehörigen der regierenden Familie sich beschränkte, so konnte doch
die Erinnerung an die edle Geburt auch der mediatisirten Häuser
sich erst nach längerem Bestehen der neuen Verhältnisse verlieren,
und nur sehr allmählich deren Gleichstellung mit den übrigen
Unterthanen deS neuen Reiches vor sich gehen. *) Wir sind dem-
nach von vornherein berechtigt anzunehmen, daß wenigsten- eine
Zeit lang auch derjenige Theil der alten Edelinge, der am König-
thum keinen Anthekl erlangt oder diesen wieder verloren hatte, eine
bevorzugte Stellung vor dem übrigen Volk behauptet habe; wir
glauben aber diese Annahme auch durch positive Quellenzeugniffe
erweisen zu können.
Schon in den ältesten Gesetzen, denen von Kent, finden wir
alles Volk in zwei Classen getheilt, in eorlas und eeoriss; in
Wer und Buße stehen sich beide gegenüber, und kennzeichnen sich
eben dadurch als bestimmt geschiedene Stände, und der Umstand,
daß sich der Gegensatz auch auf die Weiber erstreckte, * 2) läßt
darauf schließen, daß es sich bei demselben um eine Verschieden-
heit der Geburtsrechte handelt. In der späteren Zeit kommt zu-
weilen noch dieselbe Gegenüberstellung von eori und veorl vor,
und zwar so, daß beide Ausdrücke zusammen immer noch da-
ganze Volk umfassen sollen; andremale steht eorl für den
Anführer der einen oder anderen nordischen Heerschaar, hier offen-
bar nur die altnordische Bezeichnung jarl wiedergebend; wieder
anderemale endlich bezeichnet der Ausdruck Männer, welche, dem
König dienstbar, eine eigenthümlich hohe Stellung im Staat
einnehmen, theils dem königlichen Dienstgefolge in seiner späteren
Umbildung, theils den königlichen Bezirksbeamten vergleichbar.
Die eorlas in diesem Sinne gehören einerseits dem königlichen
Dienstverband an, und sind darum mit der Verpflichtung zur Ent-
richtung eines Heergewäde belastet;^ sie werden vom König er-

*) So läßt sich noch in den Bestimmungen der I- Bajuw. II,
c. 20, §. 1—2 die ursprüngliche Standesgleichheit der Agllvlfinger mit
den fünf anderen edlen Hausern des bayerischen Volkes nicht ver-
kennen; jene heißen «nimm principes, uni) principes sind demnach auch
noch diese, — die letzteren stehen zwar dem genus ducale nach, sind
aber dennoch quasi primi im Volk.
2) Aedhelb. §. 75.
*) Cnut. 8. §. 72.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer