Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

42 Ueber angelsächsische Rechtsverhältnisse.
fluß auf die Umgestaltung der Verfassung und des Landrechtes,
wie solchen Kemble ihr zuschreiben möchte, beizumessen. Es kann
natürlich nicht geläugnet werden, daß von Anfang an ein, wenn
auch kleines, doch durch Ausrüstung und Kriegsübung aus-
gezeichnetes Gefolge seinem Führer eine gewisse Macht im Staat
verschaffte; die Verbindung, welche der Gefolgsmann auch nach
seinem Austritt aus dem Dienst mit dem früheren Herrn zu unter-
halten Pflegte, die Ausdehnung des Titels und der Dienstpflicht
der Gefolgsleute auf andere Personen erweiterte den Kreis derer,
welche dem König zu höheren Pflichten als denen des unabhän-
gigen Unterthanen verbunden waren, und die sich nöthkgenfalls
auch gegen die freie Volksgemeinde von ihm gebrauchen ließen;
seitdem die Besetzung der Aemter in des Königs Hand gelangt
war, wird auch wohl die Stellung der Beamten, als welche
fortan ebenfalls dem König dienstpflichtig sind, der Stellung der
Gefolgsleute naher gerückt, und es mag sogar mit der Zeit die
Kriegspflicht, die dem freien Staatsbürger als solchem oblag, mit
der aus dem Gefolgsverband entspringenden Heerpflicht zusammen-
geworfen werden; endlich mußte sich, seitdem alle Würden und
Auszeichnungen an den Königsdienst gebunden und durch die
eigenthümliche Richtung des Hoflebens alle äußere Ehre und
höfische Bildung von demselben abhängig geworden waren, die
Anschauung des Volks vom Herrendienst, sein Begriff von Ehre
ändern, und die Aufnahme in den Gefolgsverband des Königs
selbst ansässigen Leuten in demselben Maß zum Ziel ihres Strebens
werden, in welchem der Werth der vollen Freiheit sank. Man
fleht indessen leicht, daß es sich bei allen diesen Veränderungen
nicht um ein Herübernehmen dienstrechtlicher Bestimmungen in das
Landrecht, sondern um eine Umgestaltung socialer Verhältnisse
und Anschauungen des Volks handelt, die dann freilich ihrerseits
auch auf das Recht zurückwirkt, oder doch höchstens um eine An-
näherung des Landrechts an das Dienstrecht durch strafferes An-
ziehen der über die Staatsangehörigen als solche begründeten
Staatsgewalt und handgreiflichere Verbindung der letzteren mit
der Person deS Königs; die Gefolgschaft aber und ihr Dien recht
ist bei einer solchen Wendung der Verfassung jedenfalls nicht das
bestimmende Moment, vielmehr mußte diese letztere durch die
festere Ausbildung des Staatsorganismus und deS ihn vertreten-

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