Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Ueber angelsächsische Rechtsverhältnisse. 409
Jahrhunderts der höhere Kriegsdienst mit dem Besitz von 5 Hitzen
Landes verknüpft, und zugleich für denjenigen, der als Besitzer
eines solchen Landmaßes denselben zu leisten hatte, der Ausdruck
thegn ober cyninges Ibegn üblich wurde; um jene Zeit also muß
eine Organisation des Heerwesens erfolgt seyn, welche mit dessen
Einrichtung in Dänemarks und mit den Heerbannsordnungen
Karls des Großen und seiner Nachfolger 2) große Aehnlichkeit
zeigt, und diese muß zu dem veränderten Gebrauch des Ausdruckes
thtgn die Veranlassung geboten haben. Bedenken wir nun, daß
seit König Aelfred (b 901) die Ausdrücke thegn und miles als
identisch gelten, und daß in den von ihm überarbeiteten Gesetzen
König Ines zum erstenmale, und zwar dem Zusammenhänge nach
offenbar erst später eingeschaltet, die Bestimmung sich findet, daß
der Wälsche Besitzer von 5 Hitzen als 6. hyndeman gelten zolle;
erinnern wir uns ferner der harten Kämpfe, welche gerade dieser
König mit den Dänen zu bestehen hatte, und der mancherlei Be-
mühungen desselben für die Verbesserung des Kriegswesens, 3) so
dürfte es als äußerst wahrscheinlich erscheinen, daß gerade er eS
war, der durch die bestimmte Verknüpfung des höheren Kriegs-
dienstes mit dem größeren Grundbesitze die Widerstandskraft feines
Volkes zu heben suchte; die Angabe späterer Chronisten, daß
Aelfred ein dem späteren Doomsdaybook ähnliches Kataster über
sein Reich habe aufnehmen lassen,* 2 * 4) wäre mit dieser Reorgani-
sation deS Heerwesens trefflich in Verbindung zu bringen. 5) ES

*) 93gl. Velschow, de institutis militaribus Danorum regnante
Valdemaro II, zumal S. 51 und folg. Auch die anderen nordischen
Reiche zeigen ähnliche Einrichtungen.
2) Siehe über diese Roth, ang. £>., S. 400—2. Bemerkenswerth
ist, daß auch in den späteren fränkischm Gesetzen gerade der Besitz von.
ö mansi für den persönlichen Dienst vorausgesetzt zu werden scheint*
ein Entlehnen der fränkischen Einrichtungen seitens der Wgelfachsen
wäre hiernach nicht unmöglich.
Vgl. Ghron. Anglos. a. 894, 897.
4) Vgl. hierüber Phillips, S. 05, Anm. 221, und Lappender-,
S. 335. ' - , ■ . . ■■■•■; ^ *•.'
s) Genügende Aufklärung über die Beschaffenheit der eingetretWen
Veränderung geben uns freilich die äußerst dürftigen Quellen BM;
wir kennen weder die frühere Heerverfaffung der Angelsachse» gMHß-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer