Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

400 Ueber angelsächsische Rechtsverhältnisse.
untere Classe der Hausdienerschast, welche ihrer Verwendung nach
den Dienstboten jedes gewöhnlichen Bauern gleichsteht, scheidet
auS der näheren Umgebung ihres Herrn auS, die höhere Classe,
welche fortan allein die Umgebung des Herrn bildet und von
dieser Seite her den Hausdienern des Gemeinfreien entspricht,
wird dagegen fortan zu anderen Diensten verwendet, und führt
demgemäss auch eine völlig verschiedene Lebensweise. Auch jetzt
noch ist die Verpflichtung beider Arten von Hausbediensteten
wesentlich dieselbe, und im Nothfalle müssen auch die höheren
Dienstleute noch niedrige Dienste verrichten, wie etwa der Herr
selbst, wenn Noth an Mann geht, auch seinerseits noch in eigener
Person mit angreift; aber der freundliche persönliche Verkehr mit
dem Herrn ist nunmehr auf diesen engeren Kreis beschränkt, die
regelmäßige Beschäftigung und Lebensweise beider Classen ist eine
verschiedene geworden, und demgemäß sind eö fortan auch ver-
schiedene Kategorien von Leuten, welche in der einen und anderen
Weise in Dienst treten. Sehr belehrend ist in Bezug auf diese
Spaltung der Hausdienerschaft in verschiedenen Classen, was der
Königsspiegel über die Dienstleute des norwegischen Königs be-
richtet. -1) Alle Leute, welche dem König dienstpflichtig (hand-
gengnir) werden, sind und heißen seine huskarlar; alle stehen in
seinem Schutze, und zieht derselbe darum für ihre Tödtung eine
besondere Buße. Unter ihnen findet sich aber eine Elaffe von
Leuten, welche zwar ständig am Königshofe bedienstet sind, aber
nicht mit des Königs Hofleuten (hirdh) zu Tisch gehen; sie ver-
richten dieselben Arbeiten, wie solche auch auf allen Bauernhöfen
zu thun sind. Eine zweite, schon höher stehende Classe bilden die
Gäste (gestir); sie verrichten den auswärtigen Dienst des Königs,
werden von ihm zur Verfolgung seiner Feinde ausgesandt u. dgl.,
aber auch sie, obwohl dem Könige bereits näher stehend, bilden
noch nicht seine eigentliche Umgebung; seine Hauptwache beziehen

*) Konungsskuggsja, c. 25—9; wozu zu vergleichen Olafs 8. hins
heiga, c. 58 und 8. af Magnusi ok Olafi Haraldssonum, c. 4 (Fornm.
8. IV, 108, Und Vs, 442-3), sowie Fagrskinna, §. 220. Wir berufen
uns absichtlich lieber auf diese älteren und achter nordischen Angaben
als auf die klirällskra des König Magnus Lagabatir, die bereits in
höherem Maße durch den Einfluß deutschen Hoflebens getrübt ist.

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